Zurück zum Lexikon

Grundriss

Die wichtigste Zeichnung eines Gebäudes

Thema: Planung, HOAI & Kosten · Redaktion: Bräuer Architekten

1. Kurzdefinition

nach oben

Ein Grundriss ist die zeichnerische Darstellung eines Geschosses von oben, als wäre das Gebäude in etwa einem Meter Höhe waagerecht aufgeschnitten. Er zeigt Wände, Türen, Fenster, Treppen und Räume mit ihren Maßen und ist die wichtigste Zeichnung in Planung, Bauantrag, Verkauf und Vermietung. Zusammen mit Schnitten und Ansichten beschreibt er ein Gebäude vollständig.

2. Das Wichtigste auf einen Blick

nach oben
  • Ein Grundriss zeigt Raumaufteilung, Wanddicken, Öffnungen und Maße eines Geschosses.
  • Übliche Maßstäbe sind 1:100 für Entwurf und Bauantrag und 1:50 für die Ausführung.
  • Maßketten, Raumbezeichnungen und Flächenangaben gehören zu einem vollständigen Grundriss.
  • Für Bestandsgebäude entsteht ein verlässlicher Grundriss nur durch ein genaues Aufmaß.
  • Grundrisse sind Grundlage für Wohnflächenberechnung, Aufteilungsplan und Umbauplanung.

3. Was ein Grundriss zeigt

nach oben
ElementDarstellung
Wändegeschnittene Wände dick, tragende und nichttragende Wände oft unterschiedlich schraffiert
TürenÖffnung mit Aufschlagrichtung als Viertelkreis
Fensterschmale Linien in der Wand, oft mit Brüstungshöhe
TreppenStufen mit Lauflinie und Pfeil in Richtung aufwärts
MaßeMaßketten außen und innen, Rohbaumaße in Metern und Zentimetern
RäumeRaumname, Raumnummer, Fläche und gegebenenfalls Bodenbelag
SonstigesNordpfeil, Schnittlinien, Sanitärobjekte, Möblierungsvorschläge

4. Maßstäbe und Planarten

nach oben

Je nach Planungsphase werden Grundrisse in unterschiedlichen Maßstäben und Detaillierungsgraden erstellt:

Im Maßstab 1:100 entspricht 1 cm auf dem Plan 1 m in der Wirklichkeit, im Maßstab 1:50 entsprechen 2 cm einem Meter.

5. Einen Grundriss richtig lesen

nach oben

Für Laien sind vor allem Maße und Flächen wichtig. Die Maße außen am Grundriss geben die Gesamtlänge und die Lage der Öffnungen an. Innere Maßketten zeigen Raummaße und Wanddicken. Flächenangaben in den Räumen beziehen sich je nach Plan auf die Grundfläche oder auf die Wohnfläche nach Wohnflächenverordnung. Bei Dachgeschossen und Räumen mit Schrägen weichen beide oft deutlich voneinander ab.

Fenstermaße werden häufig als Breite über Höhe angegeben, ergänzt um die Brüstungshöhe. Bei Türen steht die Breite über der Höhe des Rohbaumaßes.

6. Grundrisse im Bestand

nach oben

Alte Pläne stimmen oft nicht mit dem tatsächlichen Zustand überein. Umbauten wurden nicht eingetragen, Wände sind nicht rechtwinklig, Maße wurden gerundet. Für Umbau, Verkauf oder die Aufteilung in Wohnungseigentum braucht es deshalb einen aktuellen Bestandsgrundriss auf Grundlage eines Aufmaßes. Mit 3D-Laserscanning lassen sich Grundrisse, Schnitte und Ansichten zentimetergenau aus einer Punktwolke ableiten.

7. Grundriss und gute Planung

nach oben

Ein guter Grundriss verbindet kurze Wege, sinnvolle Zonierung und gute Belichtung. Wichtige Kriterien sind die Lage von Küche, Essen und Wohnen zueinander, die Trennung von Tag- und Nachtbereich, ausreichender Stauraum, die Ausrichtung zur Sonne und die Möblierbarkeit der Räume. Für Bestandsgebäude kommt hinzu, welche Wände tragend sind und wo Leitungen verlaufen.

8. Digitale Grundrisse

nach oben

Heute werden Grundrisse fast ausschließlich digital erstellt, meist in CAD-Programmen wie ArchiCAD oder als Teil eines BIM-Modells. Das hat Vorteile: Flächen lassen sich automatisch berechnen, Änderungen werden in allen Plänen übernommen, und aus demselben Modell entstehen Schnitte, Ansichten und Visualisierungen. Für den Austausch mit Fachplanern und Behörden werden Grundrisse als DWG, IFC oder PDF bereitgestellt.

9. Bedeutung für Bauherren und Eigentümer

nach oben

Der Grundriss ist die gemeinsame Sprache von Bauherr, Planer, Behörde und Handwerk. Fehler im Grundriss setzen sich in Wohnflächen, Kaufpreisen, Mieten und Bauleistungen fort. Ein genauer, aktueller Grundriss ist deshalb eine lohnende Investition.

Bräuer Architekten erstellt Bestandsgrundrisse auf Grundlage von 3D-Laserscans und liefert sie als CAD-Datei, PDF oder Bestandsmodell. Für Exposés bereiten wir die Grundrisse zusätzlich in einer gut lesbaren Darstellung auf.

10. Häufige Fehler

nach oben
  • Alte Grundrisse werden ohne Prüfung für Planung oder Verkauf verwendet.
  • Grundfläche und Wohnfläche werden verwechselt.
  • Maße werden aus einem PDF mit falschem Maßstab abgegriffen.
  • Tragende Wände sind im Plan nicht gekennzeichnet.
  • Der Nordpfeil fehlt, sodass Belichtung und Ausrichtung unklar bleiben.

11. Verwandte Fachbegriffe

nach oben
  • Aufmaß – Ein Aufmaß erfasst die tatsächlichen Maße, Grundrisse und Bauteile eines bestehenden Gebäudes – heute meist per 3D-Laserscan statt von Hand.
  • Bestandsaufmaß – Ein Bestandsaufmaß dokumentiert den tatsächlichen Ist-Zustand eines Gebäudes vor Umbau-, Sanierungs- oder Aufteilungsmaßnahmen.
  • CAD-Datei – Eine CAD-Datei ist eine Datei, die mit einem Programm für computergestütztes Konstruieren (Computer-Aided Design) erstellt wurde.
  • Wohnflächenberechnung – Die Wohnflächenberechnung nach WoFlV ermittelt die anrechenbare Wohnfläche einer Immobilie nach gesetzlich festgelegten Regeln, etwa zur Anrechnung von Balkonen, …
  • Aufteilungsplanung – Die Aufteilungsplanung erstellt die zeichnerische Grundlage – den Aufteilungsplan –, mit der ein Gebäude rechtlich in einzelne Wohnungs- und Teileigentumseinheiten …
  • Bauzeichnung – Bauzeichnungen stellen ein Gebäude maßstäblich in Grundrissen, Schnitten und Ansichten dar.

12. Häufig gestellte Fragen

nach oben

Wo bekomme ich den Grundriss meines Hauses?

Aus den eigenen Bauunterlagen, aus der Bauakte bei der Bauaufsichtsbehörde oder durch ein neues Aufmaß.

Welcher Maßstab ist für einen Bauantrag nötig?

In der Regel 1:100. Lagepläne werden meist im Maßstab 1:500 erstellt.

Wie genau ist ein Grundriss aus einem Laserscan?

Mit modernen Laserscannern lassen sich Genauigkeiten im Millimeter- bis Zentimeterbereich erreichen.

Kann ich aus einem Grundriss die Wohnfläche ablesen?

Nur wenn die Flächen nach Wohnflächenverordnung berechnet und angegeben sind. Sonst muss die Wohnfläche gesondert ermittelt werden.

Was bedeuten die Zahlen an Fenstern im Grundriss?

Meist Breite und Höhe des Rohbaumaßes, ergänzt um die Brüstungshöhe über dem Fußboden.

Was ist ein Bestandsgrundriss?

Ein Grundriss, der den aktuellen tatsächlichen Zustand eines Gebäudes zeigt, im Unterschied zu einem Entwurf oder einem alten Genehmigungsplan.

Brauche ich für ein Exposé einen neuen Grundriss?

Wenn alte Pläne nicht mehr stimmen, ja. Ein aktueller Grundriss mit korrekten Flächen schafft Vertrauen und vermeidet spätere Streitigkeiten über die Wohnfläche.

Stand: Oktober 2026. Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Prüfung im Einzelfall.

Zurück