Haben Sie Fragen? +49 (381) 492700 info@ab-braeuer.de Mo–Fr 7:30–17:30 Uhr
Baulexikon von Bräuer Architekten Rostock: über 270 Fachbegriffe aus Baurecht, Planung, Bau, Energie, Aufmaß und Wohnungseigentum – Karteikarten auf Bauplänen

Zurück zum Lexikon

Qualitätssicherung am Bau

Qualitätssicherung am Bau – Mängel vermeiden und Qualität sichern

Thema: Bauausführung & Verträge · Redaktion: Bräuer Architekten

1. Kurzdefinition

nach oben

Qualitätssicherung am Bau umfasst alle Maßnahmen, mit denen sichergestellt wird, dass ein Bauwerk so geplant und ausgeführt wird, wie es vertraglich vereinbart ist und den anerkannten Regeln der Technik entspricht. Dazu gehören die Prüfung von Plänen, die Kontrolle der Ausführung auf der Baustelle, die Dokumentation und die Abnahme. Ziel ist es, Mängel zu vermeiden, statt sie später teuer zu beseitigen.

2. Das Wichtigste auf einen Blick

nach oben
  • Qualität entsteht in der Planung: Viele Baumängel haben ihre Ursache in unklaren oder fehlerhaften Plänen.
  • Auf der Baustelle sichert die Objektüberwachung die Qualität der Ausführung.
  • Maßstab sind der Vertrag, die anerkannten Regeln der Technik und die öffentlich-rechtlichen Vorschriften.
  • Eine lückenlose Dokumentation schützt alle Beteiligten bei späteren Streitfällen.
  • Die Abnahme ist der rechtlich wichtigste Moment: Danach kehrt sich die Beweislast für Mängel um.

3. Qualitätssicherung in der Planung

nach oben

Die meisten Bauschäden lassen sich auf Fehler in Planung oder Abstimmung zurückführen. Qualitätssicherung beginnt deshalb lange vor dem ersten Spatenstich. Wichtige Bausteine sind:

  • eine sorgfältige Grundlagenermittlung mit klaren Zielen, Budget und Terminen,
  • ein genaues Bestandsaufmaß bei Umbauten, damit Pläne mit der Wirklichkeit übereinstimmen,
  • die Abstimmung aller Fachplanungen, etwa Tragwerk, Haustechnik, Brandschutz und Bauphysik,
  • eine vollständige und eindeutige Ausführungsplanung mit Details,
  • präzise Leistungsbeschreibungen bei der Vorbereitung der Vergabe.

Mit digitalen Methoden wie BIM lassen sich Kollisionen zwischen Bauteilen und Leitungen bereits im Modell erkennen. Das reduziert Überraschungen auf der Baustelle erheblich.

4. Qualitätssicherung auf der Baustelle

nach oben

Während der Ausführung überwacht die Bauleitung, ob die Arbeiten den Plänen, der Leistungsbeschreibung und den technischen Regeln entsprechen. Typische Prüfungen sind:

BauphaseTypische Kontrollen
Gründung und RohbauLage und Höhen, Bewehrung vor dem Betonieren, Abdichtungen, Maßhaltigkeit von Wänden und Öffnungen
GebäudehülleAnschlüsse von Fenstern, Luftdichtheit, Dämmung ohne Fehlstellen, Dachabdichtung
Technische GebäudeausrüstungLeitungsführung, Brandschutzabschottungen, Dichtheitsprüfungen
AusbauEstrich, Putz, Fliesen, Trocknungszeiten, Oberflächenqualität
AbschlussFunktionsprüfungen, Einregulierung, Restarbeiten

Besonders wichtig sind Kontrollen von Bauteilen, die später verdeckt werden, etwa Abdichtungen, Bewehrung oder Dämmung. Was einmal verbaut ist, lässt sich nur mit großem Aufwand nachträglich prüfen.

5. Dokumentation und Abnahme

nach oben

Eine gute Qualitätssicherung lebt von der Dokumentation. Bautagebücher, Fotodokumentationen, Prüfprotokolle und Lieferscheine zeigen, was wann und wie ausgeführt wurde. Moderne Verfahren wie 3D-Laserscanning ermöglichen zudem eine genaue Dokumentation des Bauzustands vor dem Schließen von Wänden und Decken.

Am Ende steht die Abnahme. Mit ihr erklärt der Auftraggeber, dass er die Leistung als im Wesentlichen vertragsgemäß anerkennt. Rechtlich hat sie große Bedeutung: Die Gewährleistungsfrist beginnt, die Vergütung wird fällig, und die Beweislast für Mängel geht auf den Auftraggeber über. Bekannte Mängel müssen bei der Abnahme vorbehalten werden, sonst können Ansprüche verloren gehen.

Nach der Abnahme begleitet die Objektbetreuung die Mängelbeseitigung und überwacht Gewährleistungsfristen. Eine abschließende As-Built-Dokumentation hält den tatsächlich gebauten Zustand für den späteren Betrieb fest.

6. Besonderheiten bei Umbau und Sanierung

nach oben

Im Bestand ist Qualitätssicherung besonders anspruchsvoll. Vorhandene Bauteile sind oft nur teilweise bekannt, alte Pläne stimmen nicht mit dem gebauten Zustand überein, und beim Öffnen von Wänden und Decken zeigen sich Überraschungen wie Holzschäden, fehlende Abdichtungen oder abweichende Konstruktionen. Neue und alte Bauteile müssen bauphysikalisch zusammenpassen, damit etwa nach einer Innendämmung oder dem Einbau neuer Fenster keine Feuchteschäden entstehen.

Wichtige Bausteine sind deshalb eine gründliche Voruntersuchung, ein präzises Aufmaß, gegebenenfalls Bauteilöffnungen und Gutachten sowie eine Planung, die Reserven für Unvorhergesehenes vorsieht. Entscheidungen, die während des Baus getroffen werden, sollten zeitnah dokumentiert und mit allen Beteiligten abgestimmt werden.

7. Bedeutung für Bauherren

nach oben

Für Bauherren ist Qualitätssicherung vor allem eine Investition in Werterhalt und Kostensicherheit. Mängel, die früh erkannt werden, lassen sich meist mit geringem Aufwand beheben. Werden sie erst nach Jahren sichtbar, etwa als Feuchteschaden, sind Ursachenforschung und Sanierung aufwendig und oft streitig.

Bräuer Architekten verankert Qualitätssicherung in allen Leistungsphasen: von der genauen Bestandsaufnahme über abgestimmte Planung bis zur regelmäßigen Kontrolle auf der Baustelle. Für Bauherren, die mit einem Generalunternehmer bauen, bieten wir auch eine unabhängige baubegleitende Qualitätskontrolle an.

8. Häufige Fehler

nach oben
  • Die Ausführungsplanung ist unvollständig, Details werden auf der Baustelle improvisiert.
  • Verdeckte Bauteile werden nicht vor dem Schließen kontrolliert und dokumentiert.
  • Abweichungen von der Planung werden mündlich vereinbart und nicht festgehalten.
  • Bei der Abnahme werden bekannte Mängel nicht vorbehalten.
  • Gewährleistungsfristen werden nicht überwacht.

Leistung von Bräuer Architekten: Ausschreibung und Bauleitung anfragen →

9. Verwandte Fachbegriffe

nach oben
  • Objektüberwachung – Die Objektüberwachung begleitet die Ausführung eines Bauvorhabens auf der Baustelle.
  • Ausführungsplanung – Die Ausführungsplanung überführt einen genehmigten und freigegebenen Gebäudeentwurf in eine technisch eindeutige, koordinierte und ausführungsreife Lösung.
  • Objektbetreuung – Die Objektbetreuung ist die neunte und letzte Leistungsphase der Objektplanung.
  • As-Built-Dokumentation – Die As-Built-Dokumentation beschreibt den tatsächlich ausgeführten Zustand eines Bauwerks zum Zeitpunkt der Übergabe oder eines vereinbarten Projektmeilensteins.
  • Projektsteuerung – Die Projektsteuerung ist eine spezialisierte Dienstleistung im Bauwesen, mit der Fachleute den Bauherrn bei der Wahrnehmung seiner Steuerungs- und Kontrollaufgaben …

10. Häufig gestellte Fragen

nach oben

Wer ist für die Qualität am Bau verantwortlich?

Jedes ausführende Unternehmen schuldet eine mangelfreie Leistung. Die Bauleitung des Architekten überwacht die Ausführung. Die Verantwortung für die eigene Leistung bleibt aber beim jeweiligen Unternehmen.

Lohnt sich eine unabhängige Baukontrolle beim Bauträger?

Häufig ja. Beim Bauträger- oder Generalunternehmervertrag fehlt oft eine unabhängige Kontrolle. Ein eigener Sachverständiger oder Architekt prüft die Ausführung im Interesse des Bauherrn.

Was sind anerkannte Regeln der Technik?

Technische Regeln, die sich in der Wissenschaft als richtig erwiesen und in der Praxis bewährt haben. Häufig sind sie in Normen und Fachregeln beschrieben, aber nicht jede Norm ist automatisch eine anerkannte Regel der Technik.

Wann sollte die Qualitätssicherung beginnen?

So früh wie möglich, idealerweise schon in der Planungsphase. Fehler, die im Plan vermieden werden, verursachen auf der Baustelle keine Kosten.

Zurück