Individueller Sanierungsfahrplan (iSFP)
Schritt für Schritt zum sanierten Haus – Aufbau, Ablauf und Fördervorteile
Thema: Energie, Förderung & Technik · Redaktion: Bräuer Architekten
1. Kurzdefinition
nach obenDer individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP) ist ein strukturierter Plan, der für ein bestimmtes Wohngebäude aufzeigt, wie es schrittweise oder in einem Zug energetisch saniert werden kann. Er wird von einer zugelassenen Energieberaterin oder einem zugelassenen Energieberater nach einem bundesweit einheitlichen Verfahren erstellt. Der iSFP macht die Sanierung planbar und bringt bei der staatlichen Förderung von Einzelmaßnahmen finanzielle Vorteile.
2. Das Wichtigste auf einen Blick
nach oben- Der iSFP besteht aus einem übersichtlichen Fahrplan und einer ausführlichen Umsetzungshilfe für jede Maßnahme.
- Die Erstellung wird im Rahmen der Bundesförderung für Energieberatung für Wohngebäude bezuschusst.
- Wer Maßnahmen aus dem iSFP umsetzt, kann bei der Förderung von Einzelmaßnahmen einen Bonus und höhere förderfähige Kosten erhalten.
- Die Förderbedingungen wurden mit der Reform der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) zum 21. Juli 2026 angepasst.
- Der iSFP ist kein Pflichtdokument, für Eigentümer von Bestandsgebäuden aber eine der wertvollsten Planungsgrundlagen.
3. Aufbau eines Sanierungsfahrplans
nach obenDer iSFP folgt einer festen Struktur, die vom Bundeswirtschaftsministerium und der Deutschen Energie-Agentur entwickelt wurde. Er besteht aus zwei Dokumenten:
| Dokument | Inhalt |
|---|---|
| Mein Sanierungsfahrplan | Überblick über den Ist-Zustand und die empfohlenen Sanierungsschritte, mit farbiger Effizienzskala, Kosten, Energieeinsparung und CO₂-Minderung je Schritt |
| Umsetzungshilfe für meine Maßnahmen | ausführliche Beschreibung jedes Maßnahmenpakets mit technischen Hinweisen, Schnittstellen, Reihenfolge und Fördermöglichkeiten |
Die Maßnahmen werden zu sinnvollen Paketen gebündelt, etwa Dach und oberste Geschossdecke, Fenster und Außenwand oder Heizung und Lüftung. Dabei wird berücksichtigt, welche Arbeiten technisch aufeinander aufbauen und welche Bauteile ohnehin erneuert werden müssen.
4. Ablauf der Energieberatung
nach oben- Erstgespräch: Klärung von Zielen, Budget, Zeitrahmen und geplanten Umbauten.
- Bestandsaufnahme: Begehung des Gebäudes, Aufnahme von Bauteilen, Flächen, Anlagentechnik und Verbrauchsdaten.
- Berechnung: Energetische Bilanzierung des Ist-Zustands und der Sanierungsvarianten.
- Abschlussgespräch: Vorstellung und Erläuterung des Sanierungsfahrplans mit allen Beteiligten.
- Umsetzung: Planung und Ausführung der Maßnahmen, häufig über mehrere Jahre verteilt.
Die Qualität des iSFP hängt maßgeblich von der Genauigkeit der Bestandsaufnahme ab. Flächen, Bauteilaufbauten und Fensterformate sollten möglichst gemessen statt geschätzt werden.
Schrittweise oder Gesamtsanierung
Der iSFP kann zwei Wege aufzeigen. Bei der schrittweisen Sanierung werden die Maßnahmen über mehrere Jahre verteilt, oft im Takt ohnehin anstehender Erneuerungen, etwa wenn das Dach undicht wird oder die Heizung ausfällt. Bei der Gesamtsanierung werden alle Maßnahmen in einem Zug umgesetzt, häufig mit dem Ziel eines Effizienzhauses. Welcher Weg sinnvoll ist, hängt von Zustand des Gebäudes, Budget, Finanzierung und Lebensplanung der Eigentümer ab. Der iSFP stellt beide Möglichkeiten nachvollziehbar gegenüber und hilft so bei einer fundierten Entscheidung.
5. Förderung und iSFP-Bonus
nach obenDie Erstellung des iSFP wird über die Bundesförderung für Energieberatung für Wohngebäude bezuschusst. Nach derzeitigem Stand werden 50 Prozent des förderfähigen Honorars übernommen, höchstens 650 Euro bei Ein- und Zweifamilienhäusern und höchstens 850 Euro bei Häusern mit drei und mehr Wohneinheiten. Der Antrag wird von der Energieberatung beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gestellt.
Werden später Maßnahmen an der Gebäudehülle oder der Anlagentechnik umgesetzt, die im iSFP enthalten sind, gibt es bei der Förderung von Einzelmaßnahmen zusätzlich einen iSFP-Bonus. Außerdem steigen die Höchstgrenzen der förderfähigen Kosten, beim Einfamilienhaus von 30.000 Euro auf bis zu 60.000 Euro. Die Maßnahme muss innerhalb von 15 Jahren nach Erstellung des iSFP umgesetzt werden. Mit der BEG-Reform vom Juli 2026 wurden die Bedingungen für den Bonus angepasst. Vor jeder Antragstellung sollten die aktuellen Förderrichtlinien geprüft werden.
Für den Heizungstausch gelten eigene Förderregeln der KfW, bei denen der iSFP-Bonus nicht angewendet wird.
6. Vorteile über die Förderung hinaus
nach oben- Planbarkeit: Eigentümer wissen, welche Maßnahmen in welcher Reihenfolge sinnvoll sind.
- Fehlervermeidung: Bauteile werden aufeinander abgestimmt, etwa neue Fenster und spätere Fassadendämmung.
- Wertsteigerung: Ein dokumentierter Sanierungsplan ist bei Verkauf und Finanzierung ein Pluspunkt.
- Kostentransparenz: Investitionen, Einsparungen und Fördermöglichkeiten werden für jeden Schritt sichtbar.
7. iSFP und Architektenplanung
nach obenEin Sanierungsfahrplan beschreibt Maßnahmen, aber noch keine bauliche Planung. Spätestens bei der Umsetzung stellen sich Fragen nach Details, Anschlüssen, Brandschutz, Schallschutz und gegebenenfalls Genehmigungen. Bei Altbauten und Denkmalen kommen gestalterische und denkmalrechtliche Anforderungen hinzu.
Bräuer Architekten verbindet das genaue Bestandsaufmaß mit der Sanierungsplanung. Ein exaktes Bestandsmodell liefert gemessene Flächen und Bauteilmaße für die Energieberatung und dient anschließend als Grundlage für Entwurf, Ausschreibung und Ausführung der einzelnen Sanierungsschritte.
8. Häufige Fehler
nach oben- Maßnahmen werden umgesetzt, bevor der iSFP vorliegt, und der Bonus geht verloren.
- Der Förderantrag wird erst nach Beginn der Arbeiten gestellt.
- Einzelmaßnahmen werden ohne Blick auf spätere Schritte geplant, etwa Fenster ohne Abstimmung auf eine künftige Fassadendämmung.
- Die Bestandsaufnahme beruht auf alten, ungenauen Plänen.
9. Verwandte Fachbegriffe
nach oben- Energieausweis – Der Energieausweis ist ein Dokument, das die energetische Qualität eines Gebäudes bewertet.
- GEG (Gebäudeenergiegesetz) – Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) regelte seit November 2020 die energetischen Anforderungen an Gebäude in Deutschland: den Wärmeschutz, die Heizungstechnik, den …
- KfW-Förderung – Die KfW-Förderung umfasst die Förderprogramme der staatlichen KfW-Bankengruppe für den Bau, Kauf und die Sanierung von Wohngebäuden und anderen Gebäuden.
- Wärmepumpe – Eine Wärmepumpe ist eine Heizung, die Wärme aus der Umgebung, aus Luft, Erdreich oder Grundwasser, nutzt und mit Hilfe von Strom auf ein für Heizung und Warmwasser …
- Instandsetzung – Instandsetzung bezeichnet alle Maßnahmen, mit denen der bestimmungsgemäße, gebrauchsfähige Zustand eines Bauwerks oder Bauteils wiederhergestellt wird, nachdem er …
10. Häufig gestellte Fragen
nach obenWas kostet ein iSFP?
Das Honorar hängt von Größe und Komplexität des Gebäudes ab. Durch den Zuschuss reduziert sich der Eigenanteil deutlich.
Muss ich alle Maßnahmen aus dem iSFP umsetzen?
Nein. Der iSFP ist eine Empfehlung. Eigentümer entscheiden selbst, welche Schritte sie wann umsetzen.
Gibt es den iSFP auch für Nichtwohngebäude?
Der iSFP ist für Wohngebäude konzipiert. Für Nichtwohngebäude gibt es eine eigene Energieberatung mit Sanierungsfahrplan.
Wer darf einen iSFP erstellen?
Nur Energieberaterinnen und Energieberater, die in der Energieeffizienz-Expertenliste des Bundes für die Energieberatung von Wohngebäuden eingetragen sind. Nur dann ist die Beratung förderfähig.
Stand: Oktober 2026. Förderbedingungen können sich ändern; maßgeblich sind die jeweils aktuellen Richtlinien von BAFA und KfW.