Dachneigung
Wie steil ein Dach ist und warum das wichtig ist
Thema: Haus, Bestand & Sanierung · Redaktion: Bräuer Architekten
1. Kurzdefinition
nach obenDie Dachneigung gibt an, wie steil eine Dachfläche gegenüber der Waagerechten geneigt ist. Sie wird meist in Grad angegeben, bei flachen Dächern auch in Prozent. Die Dachneigung bestimmt, welche Eindeckung möglich ist, wie viel Wohnfläche unter dem Dach entsteht und wie das Haus wirkt. Viele Bebauungspläne geben eine zulässige Spanne vor.
2. Das Wichtigste auf einen Blick
nach oben- Flachdächer haben nur wenige Grad Neigung, Steildächer meist 30 Grad und mehr.
- 45 Grad entsprechen 100 Prozent, 2 Prozent entsprechen etwa 1,1 Grad.
- Jede Eindeckung hat eine Regeldachneigung, ab der sie ohne Zusatzmaßnahmen regensicher ist.
- Steilere Dächer bieten mehr Raum im Dachgeschoss, aber auch mehr Dachfläche.
- Der Bebauungsplan legt oft Dachform und Neigungsspanne fest.
3. Grad und Prozent
nach obenDie Angabe in Grad beschreibt den Winkel, die Angabe in Prozent das Verhältnis von Höhe zu Länge. Ein Gefälle von 2 Prozent bedeutet 2 Zentimeter Höhenunterschied auf einem Meter. Bei Flachdächern und Terrassen ist die Prozentangabe üblich, bei geneigten Dächern die Gradangabe. Eine Neigung von 45 Grad entspricht 100 Prozent, weil Höhe und Länge gleich groß sind.
4. Regeldachneigung
nach obenFür Dachziegel und Dachsteine legen die Fachregeln des Dachdeckerhandwerks und die Hersteller eine Regeldachneigung fest. Das ist die untere Grenzneigung, bei der die Eindeckung erfahrungsgemäß regensicher ist. Wird sie unterschritten, sind Zusatzmaßnahmen nötig, etwa eine wasserdichte Unterdeckung statt einer einfachen Unterdeckbahn. Flache Dächer mit Ziegeln sind möglich, aber aufwendiger. Für sehr flache Dächer kommen Abdichtungen oder Metalldeckungen in Frage.
5. Dachneigung und Nutzung
nach obenDie Neigung entscheidet mit über die Wohnfläche im Dachgeschoss. Nach der Wohnflächenverordnung zählen Flächen unter Dachschrägen mit einer lichten Höhe unter einem Meter nicht und zwischen einem und zwei Metern nur zur Hälfte. Ein steileres Dach oder ein höherer Kniestock vergrößert die voll anrechenbare Fläche. Für Photovoltaik sind in unseren Breiten Neigungen um 30 bis 35 Grad bei Südausrichtung günstig, flachere Ost-West-Dächer liefern den Strom gleichmäßiger über den Tag verteilt.
6. Dachneigung im Bebauungsplan
nach obenBebauungspläne und örtliche Bauvorschriften geben häufig Dachform und Neigung vor, etwa „SD 38–48°“. Abweichungen sind nur mit einer Befreiung oder Abweichung möglich. Bei der Planung ist zu beachten, dass sich mit der Neigung bei gleicher Traufhöhe auch die Firsthöhe ändert, die ebenfalls festgesetzt sein kann.
7. Beispiel aus der Praxis
nach obenEin Bauherr wünscht ein flach geneigtes Satteldach mit 22 Grad und Tondachziegeln. Die gewählten Ziegel haben eine höhere Regeldachneigung. Lösungen sind ein anderes Ziegelmodell mit geringerer Regeldachneigung, eine Zusatzmaßnahme in Form einer regensicheren Unterdeckung oder eine steilere Dachneigung, sofern der Bebauungsplan das zulässt.
Bräuer Architekten stimmt Dachneigung, Eindeckung und Bebauungsplan schon im Entwurf aufeinander ab.
8. Häufige Fehler
nach oben- Die Regeldachneigung der gewählten Eindeckung wird unterschritten.
- Grad und Prozent werden verwechselt.
- Die Auswirkung der Neigung auf die Firsthöhe wird übersehen.
- Die Wohnfläche unter Dachschrägen wird voll angesetzt.
9. Verwandte Fachbegriffe
nach oben- Dachformen – Dachformen beschreiben die Gestalt eines Daches, also Zahl, Neigung und Anordnung der Dachflächen.
- Satteldach – Das Satteldach besteht aus zwei geneigten Dachflächen, die sich oben am First treffen.
- Dachziegel und Dachstein – Dachziegel und Dachsteine sind die häufigsten Eindeckungen geneigter Dächer: Ziegel bestehen aus gebranntem Ton, Dachsteine aus Beton.
- Flachdach – Ein Flachdach ist ein Dach mit sehr geringer Neigung, in der Regel unter 10 Grad.
- Gefälledämmung – Eine Gefälledämmung ist eine Wärmedämmung aus keilförmigen Platten, die einem Flachdach das nötige Gefälle zu den Abläufen gibt.
10. Häufig gestellte Fragen
nach obenWie rechne ich Prozent in Grad um?
Mit dem Arkustangens: Grad = arctan(Prozent / 100). 100 Prozent sind 45 Grad, 2 Prozent etwa 1,1 Grad.
Was ist die Regeldachneigung?
Die untere Grenzneigung, ab der eine Dacheindeckung ohne Zusatzmaßnahmen als regensicher gilt.
Ab wann gilt ein Dach als Flachdach?
Eine einheitliche Grenze gibt es nicht. Üblich ist die Bezeichnung für Dächer mit wenigen Grad Neigung.
Welche Dachneigung ist für Photovoltaik ideal?
Bei Südausrichtung etwa 30 bis 35 Grad. Flachere Ost-West-Dächer verteilen den Ertrag gleichmäßiger.
Stand: Oktober 2026. Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine fachliche Beratung im Einzelfall.