Dachziegel und Dachstein
Die häufigsten Eindeckungen geneigter Dächer
Thema: Haus, Bestand & Sanierung · Redaktion: Bräuer Architekten
1. Kurzdefinition
nach obenDachziegel und Dachsteine sind die häufigsten Eindeckungen geneigter Dächer: Ziegel bestehen aus gebranntem Ton, Dachsteine aus Beton. Beide sind langlebig und in vielen Formen und Farben erhältlich. Optisch sind sie auf den ersten Blick oft kaum zu unterscheiden. Unterschiede gibt es bei Material, Oberfläche, Gewicht, Alterung und Preis.
2. Das Wichtigste auf einen Blick
nach oben- Dachziegel: gebrannter Ton, farbecht, sehr langlebig.
- Dachstein: Beton aus Zement, Sand und Farbpigmenten, meist günstiger.
- Beide werden auf Dachlatten verlegt.
- Jedes Modell hat eine Regeldachneigung, die nicht unterschritten werden sollte.
- Der Bebauungsplan oder der Denkmalschutz kann Material und Farbe vorgeben.
3. Material und Oberfläche
nach obenTondachziegel werden aus Ton geformt, getrocknet und bei hohen Temperaturen gebrannt. Ihre Farbe stammt aus dem Ton selbst oder aus einer Engobe, einer dünnen Tonschicht, oder einer Glasur, die eine glänzende, schmutzabweisende Oberfläche ergibt. Betondachsteine werden aus Beton geformt und meist mit einer Farbbeschichtung versehen. Sie sind etwas schwerer, können mit der Zeit an Farbe verlieren und sind anfälliger für Moos auf der rauen Oberfläche. Beide Produktgruppen sind in europäischen Normen geregelt.
4. Formen
nach oben| Form | Merkmal |
|---|---|
| Falzziegel und Flachdachpfanne | Verfalzt, wirtschaftlich zu verlegen, für flachere Neigungen geeignet |
| Hohlpfanne | Traditionelle S-Form, typisch für Norddeutschland |
| Biberschwanz | Flacher Ziegel mit rundem Ende, Doppel- oder Kronendeckung, historisch und kleinteilig |
| Mönch und Nonne | Historische Deckung aus Rinnen- und Deckziegeln, oft im Denkmal |
5. Auswahl
nach obenBei der Auswahl spielen die Dachneigung, die Gestaltungsvorgaben, das Gewicht für die Statik und der Preis eine Rolle. Bei Sanierungen ist zu prüfen, ob der vorhandene Dachstuhl das Gewicht einer neuen Eindeckung aufnehmen kann. Für die Sicherung gegen Wind sind Sturmklammern nach den Fachregeln erforderlich. Formteile wie Ortgang-, First- und Lüfterziegel sollten aus demselben System stammen.
6. Beispiel aus der Praxis
nach obenFür ein Einfamilienhaus schreibt der Bebauungsplan „rote bis rotbraune, nicht glänzende Dachziegel oder Dachsteine“ vor. Die Bauherren wählen einen engobierten Tonziegel, der matt bleibt und die Vorgabe erfüllt. Ein glasierter Ziegel wäre wegen des Glanzes nicht zulässig gewesen.
Bräuer Architekten berät bei der Wahl der Eindeckung und prüft die Vorgaben des Bebauungsplans.
7. Häufige Fehler
nach oben- Die Regeldachneigung des gewählten Modells wird unterschritten.
- Glanz oder Farbe widersprechen dem Bebauungsplan.
- Bei der Sanierung wird das Mehrgewicht nicht statisch geprüft.
- Formteile verschiedener Hersteller werden gemischt.
8. Verwandte Fachbegriffe
nach oben- Dachneigung – Die Dachneigung gibt an, wie steil eine Dachfläche gegenüber der Waagerechten geneigt ist.
- Dachlatte und Konterlatte – Dachlatten tragen die Dacheindeckung, Konterlatten liegen darunter auf den Sparren und schaffen eine Belüftungs- und Entwässerungsebene.
- Sturmklammern und Verklammerung – Sturmklammern sichern Dachziegel und Dachsteine gegen das Abheben durch Windsog.
- Satteldach – Das Satteldach besteht aus zwei geneigten Dachflächen, die sich oben am First treffen.
- Unterspannbahn und Unterdeckbahn – Unterspannbahnen und Unterdeckbahnen sind Folien oder Bahnen unter der Dacheindeckung, die eindringendes Wasser, Flugschnee und Staub ableiten.
9. Häufig gestellte Fragen
nach obenWas ist der Unterschied zwischen Dachziegel und Dachstein?
Dachziegel bestehen aus gebranntem Ton, Dachsteine aus Beton.
Was hält länger?
Beide sind sehr langlebig. Tonziegel gelten als besonders farbbeständig.
Was ist ein engobierter Ziegel?
Ein Ziegel mit einer dünnen, farbigen Tonschicht, die mit gebrannt wird.
Darf ich jede Dachfarbe wählen?
Nur wenn Bebauungsplan oder Gestaltungssatzung nichts anderes vorschreiben.
Stand: Oktober 2026. Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine fachliche Beratung im Einzelfall.