Kostenvoranschlag
Kostenermittlung der Ausführungsplanung und Preisberechnung des Unternehmers
Thema: Planung, HOAI & Kosten · Redaktion: Bräuer Architekten
1. Kurzdefinition
nach obenDer Begriff Kostenvoranschlag hat zwei Bedeutungen. Im Bauwesen bezeichnet er seit der Ausgabe 2018 der DIN 276 die vierte Stufe der Kostenermittlung, die auf der Ausführungsplanung beruht. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist ein Kostenvoranschlag die vorab erstellte Preisberechnung eines Handwerkers oder Unternehmers für einen Auftrag. Rechtlich spricht das BGB hier vom Kostenanschlag.
2. Das Wichtigste auf einen Blick
nach oben- Nach DIN 276 dient der Kostenvoranschlag als Grundlage für Entscheidungen über die Ausführungsplanung und die Vorbereitung der Vergabe.
- Er gliedert mindestens bis zur 3. Ebene und zusätzlich nach Vergabeeinheiten, also nach Gewerken oder Leistungspaketen.
- Er liegt zwischen der Kostenberechnung und dem Kostenanschlag.
- Der Kostenvoranschlag eines Handwerkers ist nach § 632 Abs. 3 BGB im Zweifel nicht zu vergüten.
- Wird er wesentlich überschritten, hat der Auftraggeber nach § 649 BGB ein Kündigungsrecht.
3. Der Kostenvoranschlag nach DIN 276
nach obenMit der Neufassung von Dezember 2018 hat DIN 276 den Kostenvoranschlag als eigene Stufe zwischen Kostenberechnung und Kostenanschlag eingeführt. Damit wurde eine Lücke geschlossen: Zwischen dem Entwurf und den ersten Angeboten liegen oft Monate, in denen die Planung erheblich konkreter wird.
Grundlage des Kostenvoranschlags sind insbesondere:
- die Ausführungs-, Detail- und Konstruktionszeichnungen,
- Berechnungen, etwa der Tragwerksplanung und der technischen Gebäudeausrüstung,
- Mengenermittlungen nach Positionen, wie sie auch für Leistungsverzeichnisse gebraucht werden,
- Erläuterungen zur Bauausführung.
Neu ist die Gliederung nach Vergabeeinheiten. Die Kosten werden also nicht nur nach Kostengruppen, sondern auch so geordnet, wie die Leistungen später ausgeschrieben werden, zum Beispiel Rohbau, Dach, Fenster oder Elektro. So lässt sich jede spätere Ausschreibung direkt mit dem Budget vergleichen.
4. Bezug zur HOAI
nach obenDie HOAI verwendet den Begriff Kostenvoranschlag nicht. Inhaltlich entspricht ihm aber die Grundleistung der Leistungsphase 6 (Vorbereitung der Vergabe), die Kosten auf Grundlage vom Planer bepreister Leistungsverzeichnisse zu ermitteln und mit der Kostenberechnung zu vergleichen. Das Ergebnis ist ein auf Positionen gestütztes Budget je Vergabeeinheit.
5. Der Kostenvoranschlag im Werkvertragsrecht
nach obenIm Alltag versteht man unter einem Kostenvoranschlag die unverbindliche Berechnung der voraussichtlichen Kosten durch einen Handwerker, etwa für eine Dachreparatur oder einen Heizungstausch. Das BGB nennt dies Kostenanschlag und regelt zwei Punkte:
- Vergütung: Nach § 632 Abs. 3 BGB ist ein Kostenanschlag im Zweifel nicht zu bezahlen. Eine Vergütung muss ausdrücklich vereinbart werden.
- Überschreitung: Nach § 649 BGB muss der Unternehmer unverzüglich anzeigen, wenn eine wesentliche Überschreitung zu erwarten ist. Der Besteller kann dann kündigen und schuldet nur die bis dahin erbrachte Leistung.
Was als wesentlich gilt, ist nicht gesetzlich festgelegt. In der Rechtsprechung werden häufig Werte von etwa 15 bis 20 Prozent genannt, maßgeblich ist aber der Einzelfall. Hat der Unternehmer ausdrücklich die Gewähr für die Richtigkeit übernommen, liegt ein verbindlicher Festpreis vor.
6. Vom Kostenvoranschlag zur Ausschreibung
nach obenIn der Praxis entsteht der Kostenvoranschlag parallel zu den Leistungsverzeichnissen. Jede Position erhält einen vom Planer geschätzten Einheitspreis. Die Summe aller Positionen ergibt das Budget der Vergabeeinheit.
Gehen später die Angebote ein, lässt sich jede Position direkt vergleichen. Auffällige Abweichungen zeigen Kalkulationsfehler, Spekulationspreise oder Missverständnisse in der Leistungsbeschreibung. Damit verbessert der Kostenvoranschlag nicht nur die Kostenkontrolle, sondern auch die Qualität der Vergabe.
Ein gut aufgestellter Kostenvoranschlag berücksichtigt außerdem die Marktlage. In Zeiten hoher Auslastung im Baugewerbe liegen Angebote häufig deutlich über rechnerischen Werten.
7. Bedeutung für Bauherren und Eigentümer
nach obenFür Bauherren ist der Kostenvoranschlag nach DIN 276 die letzte Kontrollmöglichkeit, bevor Aufträge vergeben werden. Zeigt er eine Überschreitung, lassen sich Ausführungsdetails oder Materialien noch anpassen, ohne Verträge zu ändern.
Bräuer Architekten bepreist die Leistungsverzeichnisse auf Basis aktueller Marktpreise und eigener Projekterfahrung in Rostock und Mecklenburg-Vorpommern. So lassen sich Angebote später sicher bewerten.
Bei Handwerker-Kostenvoranschlägen lohnt es sich, mehrere vergleichbare Angebote einzuholen und auf einheitliche Leistungsbeschreibungen zu achten. Sonst werden ungleiche Leistungen verglichen.
8. Häufige Fehler
nach oben- Kostenvoranschlag und Kostenanschlag werden verwechselt.
- Ein Handwerker-Kostenvoranschlag wird als Festpreis verstanden, obwohl keine Preisgarantie vereinbart wurde.
- Die Kosten werden nicht nach Vergabeeinheiten gegliedert, sodass der Vergleich mit den Angeboten schwerfällt.
- Eine Überschreitung wird vom Unternehmer zu spät angezeigt.
- Für einen umfangreichen Kostenvoranschlag wird nachträglich ein Entgelt verlangt, obwohl dies nicht vereinbart war.
9. Verwandte Fachbegriffe
nach oben- Kostenanschlag – Der Kostenanschlag ist die fünfte Stufe der Kostenermittlung nach DIN 276.
- Kostenberechnung – Die Kostenberechnung ist die dritte Stufe der Kostenermittlung nach DIN 276.
- Kostenaufstellung – Eine Kostenaufstellung ist eine geordnete Übersicht über die Kosten eines Bauvorhabens.
- Vorbereitung der Vergabe – Die Vorbereitung der Vergabe übersetzt die Ausführungsplanung in eindeutige, kalkulierbare Leistungsbeschreibungen.
- DIN 276 – Die DIN 276 ist die deutsche Norm für die Ermittlung und Gliederung von Kosten im Bauwesen.
10. Häufig gestellte Fragen
nach obenIst ein Kostenvoranschlag verbindlich?
Nein, solange keine Preisgarantie vereinbart ist. Eine wesentliche Überschreitung muss der Unternehmer aber unverzüglich anzeigen.
Muss ich für einen Kostenvoranschlag bezahlen?
Nur wenn dies vorher vereinbart wurde. Ohne Vereinbarung ist er nach § 632 Abs. 3 BGB im Zweifel kostenlos.
Wann erstellt der Architekt den Kostenvoranschlag?
Mit der Ausführungsplanung und der Vorbereitung der Vergabe, also in den Leistungsphasen 5 und 6.
Was passiert bei einer Überschreitung um 30 Prozent?
Das ist in der Regel eine wesentliche Überschreitung. Der Auftraggeber kann kündigen und muss nur die bis dahin erbrachte Leistung vergüten. Hat der Unternehmer die Überschreitung nicht rechtzeitig angezeigt, kommen zudem Schadensersatzansprüche in Betracht.
Ersetzt der Kostenvoranschlag die Kostenberechnung?
Nein. Er schreibt sie fort. Die Kostenberechnung bleibt der Bezugswert, mit dem der Kostenvoranschlag verglichen wird.
Stand: Oktober 2026. Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Prüfung im Einzelfall.