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Kostenanschlag

Kostenermittlung auf Basis von Angeboten und Aufträgen

Thema: Planung, HOAI & Kosten · Redaktion: Bräuer Architekten

1. Kurzdefinition

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Der Kostenanschlag ist die fünfte Stufe der Kostenermittlung nach DIN 276. Er beruht auf den eingeholten Angeboten und erteilten Aufträgen und dient als Grundlage für die Vergabe und die Bauausführung. Im Werkvertragsrecht bezeichnet der Kostenanschlag außerdem die vorab erstellte Kostenberechnung eines Unternehmers, die § 649 BGB regelt.

Die sechs Stufen der Kostenermittlung nach DIN 276 und die zugehörigen Leistungsphasen
Die Kostenermittlung wird mit jeder Planungsphase genauer – vom Kostenrahmen bis zur Kostenfeststellung.

2. Das Wichtigste auf einen Blick

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  • Der Kostenanschlag wird während der Mitwirkung bei der Vergabe (Leistungsphase 7) erstellt.
  • Grundlage sind Angebote, Aufträge und bereits entstandene Kosten.
  • Er gliedert bis zur 3. Ebene und nach Vergabeeinheiten.
  • Er wird mit dem Kostenvoranschlag und der Kostenberechnung verglichen.
  • Nach § 649 BGB berechtigt eine wesentliche Überschreitung eines Unternehmer-Kostenanschlags zur Kündigung.

3. Der Kostenanschlag nach DIN 276

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Mit dem Kostenanschlag wechselt die Kostenermittlung von Annahmen zu Marktpreisen. Nach der Ausschreibung liegen echte Angebote vor, die geprüft, gewertet und verhandelt werden. Daraus ergibt sich, was das Bauvorhaben voraussichtlich tatsächlich kostet.

DIN 276 nennt als Grundlagen insbesondere:

  • geprüfte Angebote und erteilte Aufträge,
  • bereits entstandene Kosten, etwa für Grundstück, Abbruch oder Gutachten,
  • für noch nicht vergebene Leistungen die Werte aus dem Kostenvoranschlag,
  • Nachweise über Eigenleistungen und unentgeltlich eingebrachte Leistungen.

Weil Aufträge meist nacheinander vergeben werden, wird der Kostenanschlag schrittweise fortgeschrieben. Mit jeder Vergabe ersetzt ein Auftragswert einen geschätzten Wert. Am Ende der Vergabephase liegt ein nahezu vollständiges Bild der Baukosten vor.

4. Bezug zur HOAI

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In der HOAI 2009 war der Kostenanschlag ausdrücklich Grundleistung der Leistungsphase 7. Seit der HOAI 2013 ist der Begriff dort nicht mehr enthalten. Inhaltlich übernimmt diese Aufgabe der Vergleich der Ausschreibungsergebnisse mit den vom Planer bepreisten Leistungsverzeichnissen oder der Kostenberechnung. In der Praxis und in DIN 276 ist der Kostenanschlag weiterhin gebräuchlich.

Viele Architektenverträge vereinbaren den Kostenanschlag nach DIN 276 ausdrücklich als Leistung. Das schafft Klarheit darüber, in welcher Form die Kostenkontrolle während der Vergabe dokumentiert wird.

5. Der Kostenanschlag nach § 649 BGB

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Im Werkvertragsrecht ist der Kostenanschlag die Berechnung der voraussichtlichen Kosten durch den Unternehmer. Im Alltag heißt er meist Kostenvoranschlag. § 649 BGB regelt den Fall, dass die Kosten deutlich höher ausfallen:

  • Ist eine wesentliche Überschreitung zu erwarten, muss der Unternehmer dies dem Besteller unverzüglich anzeigen.
  • Der Besteller kann den Vertrag dann kündigen. Der Unternehmer erhält nur eine Vergütung für die bereits erbrachte Leistung und Ersatz für darin nicht enthaltene Auslagen nach § 645 Abs. 1 BGB.
  • Unterlässt der Unternehmer die Anzeige, kann er sich schadensersatzpflichtig machen.

Eine feste Grenze für die Wesentlichkeit gibt es nicht. Gerichte haben Überschreitungen von etwa 15 bis 20 Prozent häufig als wesentlich angesehen. Hat der Unternehmer die Gewähr für die Richtigkeit übernommen, gilt § 649 BGB nicht, der Preis ist dann verbindlich.

6. Kostenkontrolle während der Vergabe

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Der Kostenanschlag ist vor allem ein Steuerungsinstrument. Nach jeder Submission wird das günstigste wertbare Angebot mit dem Budget der jeweiligen Vergabeeinheit verglichen. Liegt es darüber, gibt es mehrere Möglichkeiten: Verhandlungen über Nebenangebote, eine Anpassung der Leistung, das Ausgleichen über andere Gewerke oder eine bewusste Entscheidung des Bauherrn für ein höheres Budget.

Wichtig ist, dass diese Entscheidungen vor der Auftragserteilung getroffen werden. Ist ein Vertrag geschlossen, lassen sich Kosten nur noch über Änderungen und Nachträge beeinflussen, was meist teurer ist.

Auch nach der Vergabe bleibt der Kostenanschlag aktuell. Nachträge, Mengenmehrungen und zusätzliche Wünsche werden laufend eingearbeitet. So entsteht eine Kostenprognose, die den Bauherrn bis zur Kostenfeststellung begleitet und rechtzeitig vor Überschreitungen warnt.

7. Bedeutung für Bauherren und Eigentümer

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Der Kostenanschlag zeigt, ob das Bauvorhaben mit den tatsächlichen Marktpreisen im Budget bleibt. Liegen die ersten Angebote über den Erwartungen, kann bei den noch offenen Gewerken gegengesteuert werden, etwa durch Alternativpositionen oder angepasste Standards.

Bräuer Architekten führt den Kostenanschlag als fortlaufende Kostenverfolgung je Vergabeeinheit. Bauherren sehen damit nach jeder Vergabe, wie sich das Gesamtbudget entwickelt.

8. Häufige Fehler

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  • Der Kostenanschlag enthält nur die vergebenen Gewerke, offene Leistungen fehlen.
  • Nebenangebote und Nachlässe werden ohne Prüfung der Bedingungen übernommen.
  • Baunebenkosten und bereits gezahlte Beträge werden vergessen.
  • Abweichungen zum Kostenvoranschlag werden nicht erläutert.
  • Ein Handwerker zeigt eine absehbare Überschreitung nicht rechtzeitig an.

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9. Verwandte Fachbegriffe

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  • Kostenvoranschlag – Der Begriff Kostenvoranschlag hat zwei Bedeutungen.
  • Kostenfeststellung – Die Kostenfeststellung ist die letzte Stufe der Kostenermittlung nach DIN 276.
  • Kostenberechnung – Die Kostenberechnung ist die dritte Stufe der Kostenermittlung nach DIN 276.
  • Mitwirkung bei der Vergabe – Die Mitwirkung bei der Vergabe begleitet den Weg von den fertigen Vergabeunterlagen bis zur Beauftragung ausführender Unternehmen.
  • DIN 276 – Die DIN 276 ist die deutsche Norm für die Ermittlung und Gliederung von Kosten im Bauwesen.

10. Häufig gestellte Fragen

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Was ist der Unterschied zwischen Kostenanschlag und Kostenvoranschlag?

Nach DIN 276 beruht der Kostenvoranschlag auf der Ausführungsplanung und vom Planer bepreisten Leistungsverzeichnissen, der Kostenanschlag auf echten Angeboten und Aufträgen. Im BGB und im Alltag werden beide Begriffe dagegen für die Preisberechnung eines Unternehmers verwendet.

Wie genau ist ein Kostenanschlag?

Er ist deutlich genauer als frühere Stufen. Häufig werden Toleranzen von etwa 5 bis 10 Prozent genannt, vor allem wegen Nachträgen und Mengenänderungen während der Bauausführung.

Wer erstellt den Kostenanschlag?

Bei Bauvorhaben mit Architekt erstellt ihn in der Regel der Architekt oder ein beauftragter Projektsteuerer.

Ist ein Kostenanschlag kostenpflichtig?

Der Kostenanschlag eines Unternehmers ist nach § 632 Abs. 3 BGB im Zweifel nicht zu vergüten.

Was ist, wenn der Kostenanschlag über der Kostenberechnung liegt?

Dann sollte vor weiteren Vergaben gemeinsam entschieden werden, ob Leistungen angepasst, Alternativen ausgeschrieben oder das Budget erhöht wird.

Stand: Oktober 2026. Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Prüfung im Einzelfall.

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