Effizienzhaus
Was die Zahl im Namen bedeutet und wie gefördert wird
Thema: Energie, Förderung & Technik · Redaktion: Bräuer Architekten
1. Kurzdefinition
nach obenEin Effizienzhaus ist ein Gebäude, dessen Energiebedarf einen festgelegten Anteil eines Referenzgebäudes nicht überschreitet. Die Zahl im Namen gibt diesen Anteil an: Ein Effizienzhaus 55 benötigt höchstens 55 Prozent der Primärenergie des Referenzgebäudes. Die Effizienzhaus-Stufen sind die Grundlage der Bundesförderung für effiziente Gebäude bei Neubau und Sanierung und werden von der KfW gefördert.
2. Das Wichtigste auf einen Blick
nach oben- Maßgeblich sind zwei Werte: der Primärenergiebedarf und der Transmissionswärmeverlust über die Gebäudehülle.
- Je kleiner die Zahl, desto effizienter das Gebäude.
- Für Sanierungen gibt es die Stufen 40, 55, 70, 85 und Effizienzhaus Denkmal.
- Zusätze wie „EE“ für erneuerbare Energien oder „NH“ für Nachhaltigkeit erhöhen die Förderung.
- Der Nachweis erfolgt durch einen Energieeffizienz-Experten.
3. Die Effizienzhaus-Stufen
nach oben| Stufe | Primärenergiebedarf | Transmissionswärmeverlust |
|---|---|---|
| Effizienzhaus 40 | 40 % | 55 % |
| Effizienzhaus 55 | 55 % | 70 % |
| Effizienzhaus 70 | 70 % | 85 % |
| Effizienzhaus 85 | 85 % | 100 % |
| Effizienzhaus Denkmal | 160 % | 175 % |
Die Prozentwerte beziehen sich auf ein Referenzgebäude gleicher Geometrie, Größe und Ausrichtung mit einer festgelegten Standardausführung nach dem Gebäudeenergierecht. Der Primärenergiebedarf berücksichtigt auch die Energie für Gewinnung und Transport der Energieträger, siehe Jahresprimärenergiebedarf. Der Transmissionswärmeverlust beschreibt die Qualität der Gebäudehülle.
4. Erneuerbare-Energien- und Nachhaltigkeitsklasse
nach obenEin Effizienzhaus kann zusätzlich die Erneuerbare-Energien-Klasse erreichen, wenn mindestens 65 Prozent des Wärme- und Kältebedarfs aus erneuerbaren Energien gedeckt werden, etwa durch eine Wärmepumpe. Die Nachhaltigkeitsklasse setzt eine Zertifizierung mit dem Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude voraus. Beide Klassen bringen in der Förderung zusätzliche Prozentpunkte.
5. Effizienzhaus in der Sanierung
nach obenBei der Sanierung zum Effizienzhaus fördert die KfW im Programm 261 einen zinsgünstigen Kredit mit Tilgungszuschuss. Je besser die erreichte Stufe, desto höher der Zuschuss. Nach der Reform der Bundesförderung im Juli 2026 erhalten insbesondere die anspruchsvollen Stufen 40 und 55 mit Erneuerbare-Energien-Klasse Tilgungszuschüsse. Zusätzliche Boni gibt es unter anderem für besonders ineffiziente Ausgangsgebäude, sogenannte Worst Performing Buildings, und für serielle Sanierung.
Die genauen Konditionen ändern sich regelmäßig. Vor der Planung sollten die aktuellen Merkblätter der KfW geprüft werden.
6. Effizienzhaus im Neubau
nach obenIm Neubau fördert der Bund vor allem besonders klimafreundliche Gebäude, die mindestens den Standard Effizienzhaus 40 erreichen und weitere Anforderungen an den Lebenszyklus erfüllen. Daneben gibt es Programme für Familien und für Wohnraum im mittleren Preissegment. Die Förderlandschaft im Neubau wird häufig angepasst.
7. Ablauf und Nachweis
nach oben- Beratung durch einen Energieeffizienz-Experten aus der Expertenliste des Bundes.
- Berechnung des Ist-Zustands und Planung der Maßnahmen zum Zielstandard.
- Bestätigung zum Antrag durch den Experten und Antrag bei der KfW über die Hausbank, vor Beginn der Maßnahme.
- Umsetzung mit Baubegleitung durch den Experten.
- Bestätigung nach Durchführung und Auszahlung des Tilgungszuschusses.
8. Wege zum Effizienzhaus im Bestand
nach obenWelche Stufe ein Altbau erreichen kann, hängt vor allem von der Gebäudehülle und der Heizung ab. Typische Maßnahmen sind die Dämmung von Fassade, Dach und Kellerdecke, neue Fenster mit Dreifachverglasung, die Reduzierung von Wärmebrücken, eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und eine Heizung auf Basis erneuerbarer Energien, etwa eine Wärmepumpe oder der Anschluss an ein Wärmenetz.
Bei Gebäuden mit erhaltenswerter Fassade oder Denkmalschutz sind die Möglichkeiten eingeschränkt. Hier bietet die Stufe Effizienzhaus Denkmal einen eigenen Weg mit angepassten Anforderungen. Eine Variantenrechnung des Energieeffizienz-Experten zeigt, welche Kombination von Maßnahmen das beste Verhältnis von Kosten, Förderung und Energieeinsparung bietet.
9. Bedeutung für Bauherren und Eigentümer
nach obenEin Effizienzhaus senkt die Energiekosten dauerhaft und steigert den Wert der Immobilie. Bei einer umfassenden Sanierung kann sich der Weg zum Effizienzhaus mehr lohnen als einzelne Maßnahmen, weil höhere Förderquoten erreicht werden. Welche Strategie passt, zeigt ein Vergleich beider Wege.
Bräuer Architekten plant Sanierungen zum Effizienzhaus gemeinsam mit Energieeffizienz-Experten. Mit einem genauen Bestandsmodell lassen sich Flächen der Gebäudehülle, Wärmebrücken und Maßnahmen exakt ermitteln.
10. Häufige Fehler
nach oben- Der Antrag wird erst nach Beginn der Maßnahmen gestellt.
- Die gewählte Stufe passt nicht zum Budget oder zur Bausubstanz.
- Einzelmaßnahmen und Effizienzhausförderung werden ohne Prüfung der Sperrfristen kombiniert.
- Die Baubegleitung durch den Experten wird nicht eingeplant.
- Bei Denkmalen wird die eigene Denkmalstufe übersehen.
11. Verwandte Fachbegriffe
nach oben- KfW-Förderung – Die KfW-Förderung umfasst die Förderprogramme der staatlichen KfW-Bankengruppe für den Bau, Kauf und die Sanierung von Wohngebäuden und anderen Gebäuden.
- BEG-Einzelmaßnahmen – Die BEG-Einzelmaßnahmen sind ein Förderprogramm der Bundesförderung für effiziente Gebäude.
- Jahresprimärenergiebedarf – Der Jahresprimärenergiebedarf gibt an, wie viel Primärenergie ein Gebäude rechnerisch pro Jahr für Heizung, Warmwasser, Lüftung und gegebenenfalls Kühlung benötigt.
- Energieausweis – Der Energieausweis ist ein Dokument, das die energetische Qualität eines Gebäudes bewertet.
- Wärmedämmung und WDVS – Wärmedämmung verringert den Wärmeverlust eines Gebäudes über Wände, Dach, Fenster und Boden.
- Blower-Door-Test – Der Blower-Door-Test ist ein Messverfahren zur Prüfung der Luftdichtheit eines Gebäudes.
- QNG – Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude – Das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude, kurz QNG, ist ein staatliches Gütesiegel des Bundesbauministeriums.
12. Häufig gestellte Fragen
nach obenWas bedeutet Effizienzhaus 55?
Das Gebäude benötigt höchstens 55 Prozent der Primärenergie eines vergleichbaren Referenzgebäudes und hat eine deutlich bessere Gebäudehülle.
Kann ein Altbau ein Effizienzhaus werden?
Ja. Mit Dämmung, neuen Fenstern und moderner Heizung erreichen viele Altbauten die Stufen 70 oder 55, manche sogar 40.
Was ist ein Effizienzhaus Denkmal?
Eine Förderstufe für Baudenkmale und besonders erhaltenswerte Bausubstanz mit angepassten Anforderungen.
Wer darf den Nachweis erstellen?
Energieeffizienz-Experten, die in der Expertenliste des Bundes eingetragen sind.
Lohnt sich ein Effizienzhaus 40 im Bestand?
Das hängt vom Gebäude ab. Die Förderung ist hoch, der Aufwand aber auch. Eine Variantenrechnung schafft Klarheit.
Was ist ein Worst Performing Building?
Ein Gebäude mit besonders schlechter Energieeffizienz, für dessen Sanierung es einen zusätzlichen Förderbonus gibt.
Kann ich Effizienzhaus und Einzelmaßnahmen kombinieren?
Nicht für dieselben Maßnahmen. Zwischen beiden Förderwegen gelten Sperrfristen, die bei der Planung zu beachten sind.
Stand: Oktober 2026. Förderkonditionen ändern sich regelmäßig. Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Förderberatung.