Leistungsverzeichnis
Grundlage von Ausschreibung, Vertrag und Abrechnung
Thema: Bauausführung & Verträge · Redaktion: Bräuer Architekten
1. Kurzdefinition
nach obenEin Leistungsverzeichnis, kurz LV, beschreibt die auszuführenden Bauleistungen in einzelnen Positionen mit Mengen und Einheiten. Bieter tragen ihre Einheitspreise ein, daraus ergibt sich der Angebotspreis. Das Leistungsverzeichnis ist das zentrale Dokument der Ausschreibung und später Grundlage von Bauvertrag, Abrechnung und Kostenkontrolle. Es wird in der Regel in der Leistungsphase 6, der Vorbereitung der Vergabe, erstellt.
2. Das Wichtigste auf einen Blick
nach oben- Die Leistung muss eindeutig und so erschöpfend beschrieben sein, dass alle Bieter sie gleich verstehen.
- Jede Position enthält Ordnungszahl, Kurz- und Langtext, Menge, Einheit, Einheitspreis und Gesamtpreis.
- Vorbemerkungen regeln allgemeine Bedingungen für alle Positionen.
- Der Datenaustausch erfolgt meist im GAEB-Format.
- Ein gutes Leistungsverzeichnis verringert Nachträge erheblich.
3. Aufbau eines Leistungsverzeichnisses
nach oben| Bestandteil | Inhalt |
|---|---|
| Vorbemerkungen | Bauvorhaben, Baustelle, Zufahrt, Termine, Vertragsbedingungen, technische Anforderungen |
| Gliederung | Titel und Untertitel nach Gewerken oder Bauabschnitten |
| Position | Ordnungszahl, Kurztext, Langtext mit genauer Beschreibung |
| Menge und Einheit | etwa 120 m², 15 Stück, 1 pauschal |
| Preise | Einheitspreis vom Bieter, Gesamtpreis als Menge mal Einheitspreis |
Ein Beispiel für eine Position: „Innenputz als Kalkgipsputz, einlagig, Dicke 15 mm, Oberfläche geglättet, Qualitätsstufe Q2, auf Mauerwerk aus Kalksandstein, einschließlich Eckschutzschienen.“ Menge 380 m².
4. Positionsarten
nach oben- Normalposition: wird mit Sicherheit ausgeführt.
- Bedarfsposition: wird nur bei Bedarf ausgeführt, etwa ein zusätzlicher Bodenaustausch.
- Wahlposition: Alternative zu einer Grundposition, über die der Auftraggeber entscheidet.
- Zulageposition: Zuschlag für eine Erschwernis oder Variante.
- Pauschalposition: Leistung mit einem Festpreis ohne Mengenermittlung.
Bedarfs- und Wahlpositionen sollten sparsam eingesetzt werden, weil sie den Preisvergleich erschweren.
5. Detaillierte und funktionale Leistungsbeschreibung
nach obenBei der detaillierten Leistungsbeschreibung mit Leistungsverzeichnis wird jede Teilleistung genau beschrieben. Das schafft Vergleichbarkeit und Kostensicherheit. Bei der funktionalen Leistungsbeschreibung, auch Leistungsprogramm genannt, wird nur das Ziel beschrieben, etwa die Anforderungen an eine Heizungsanlage, und der Bieter plant die Lösung selbst. Das eignet sich für spezielle Gewerke oder für die Vergabe an einen Generalunternehmer.
6. Standards und Formate
nach obenViele Texte werden auf Grundlage des Standardleistungsbuchs Bau formuliert. Für den Datenaustausch zwischen Planern, Bietern und Auftraggebern hat sich das GAEB-Format durchgesetzt. Es ermöglicht, Leistungsverzeichnisse digital zu versenden, Angebote einzulesen und Preisspiegel automatisch zu erstellen. Die technischen Anforderungen ergeben sich aus der VOB/C, siehe VOB/B.
7. Mengen und Kosten
nach obenDie Mengen werden aus den Ausführungsplänen ermittelt, im Bestand idealerweise aus einem genauen Aufmaß oder Bestandsmodell. Der Planer bepreist das Leistungsverzeichnis vorab mit erwarteten Preisen. Das Ergebnis ist der Kostenvoranschlag, mit dem später die Angebote verglichen werden.
8. Angebotsprüfung und Preisspiegel
nach obenNach Eingang der Angebote werden diese rechnerisch und fachlich geprüft. Ein Preisspiegel stellt die Einheitspreise aller Bieter Position für Position nebeneinander. Auffällig hohe oder niedrige Preise zeigen Kalkulationsfehler, Missverständnisse oder Spekulation. Unklarheiten werden in Bietergesprächen aufgeklärt. Das wirtschaftlichste Angebot ist nicht immer das billigste, sondern dasjenige mit dem besten Verhältnis von Preis und Leistung. Grundlage dafür ist ein Leistungsverzeichnis, das alle Bieter gleich verstehen.
9. Bedeutung für Bauherren und Eigentümer
nach obenDas Leistungsverzeichnis entscheidet über Qualität, Preis und Konfliktpotenzial eines Bauprojekts. Lücken und ungenaue Beschreibungen führen fast zwangsläufig zu Nachträgen. Eine sorgfältige Ausschreibung zahlt sich deshalb mehrfach aus.
Bräuer Architekten erstellt Leistungsverzeichnisse auf Grundlage genauer Mengen aus Planung und 3D-Aufmaß, bepreist sie vorab und wertet die Angebote im Preisspiegel aus.
10. Häufige Fehler
nach oben- Positionen sind unklar formuliert und lassen Interpretationsspielraum.
- Mengen werden grob geschätzt statt ermittelt.
- Vorbemerkungen widersprechen den Positionen.
- Leistungen fehlen, weil Schnittstellen zwischen Gewerken nicht bedacht wurden.
- Zu viele Bedarfs- und Wahlpositionen verzerren den Preisvergleich.
Leistung von Bräuer Architekten: Ausschreibung und Bauleitung anfragen →
11. Verwandte Fachbegriffe
nach oben- Vorbereitung der Vergabe – Die Vorbereitung der Vergabe übersetzt die Ausführungsplanung in eindeutige, kalkulierbare Leistungsbeschreibungen.
- Mitwirkung bei der Vergabe – Die Mitwirkung bei der Vergabe begleitet den Weg von den fertigen Vergabeunterlagen bis zur Beauftragung ausführender Unternehmen.
- Kostenvoranschlag – Der Begriff Kostenvoranschlag hat zwei Bedeutungen.
- Nachtrag – Ein Nachtrag ist eine zusätzliche Vergütungsforderung des Bauunternehmens für Leistungen, die im ursprünglichen Bauvertrag nicht oder anders vereinbart waren.
- VOB/B – Die VOB/B ist Teil B der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen.
12. Häufig gestellte Fragen
nach obenWer erstellt das Leistungsverzeichnis?
In der Regel der Architekt oder Fachplaner im Rahmen der Leistungsphase 6.
Was ist das GAEB-Format?
Ein Standard für den elektronischen Austausch von Leistungsverzeichnissen, Angeboten und Abrechnungen im Bauwesen.
Was ist ein Einheitspreis?
Der Preis für eine Einheit einer Position, etwa je Quadratmeter oder Stück. Bei Einheitspreisverträgen wird nach tatsächlichen Mengen abgerechnet.
Kann ich ein Leistungsverzeichnis selbst erstellen?
Für kleine Arbeiten ja. Für größere Vorhaben ist Fachwissen nötig, um Lücken und Nachträge zu vermeiden.
Was ist ein Preisspiegel?
Eine Gegenüberstellung der Angebote aller Bieter nach Positionen, um Preise und Auffälligkeiten zu vergleichen.
Was ist eine funktionale Ausschreibung?
Eine Ausschreibung, bei der nur Ziel und Anforderungen beschrieben werden und der Bieter die Lösung selbst plant.
Was sind Vorbemerkungen?
Allgemeine Angaben vor den Positionen, etwa zu Baustelle, Terminen, Vertragsbedingungen und technischen Anforderungen, die für alle Positionen gelten.
Wie werden Mengen ermittelt?
Aus den Ausführungsplänen oder einem Bestandsmodell. Je genauer die Mengen, desto geringer die späteren Abweichungen.
Was ist ein Einheitspreisvertrag?
Ein Vertrag, bei dem nach den tatsächlich ausgeführten Mengen und den vereinbarten Einheitspreisen abgerechnet wird.
Stand: Oktober 2026. Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Prüfung im Einzelfall.
