LOD – Level of Development
Detaillierungsgrad von BIM-Modellen – Stufen, Information Need und Bestandsmodelle
Thema: Aufmaß, Vermessung & BIM · Redaktion: Bräuer Architekten
1. Kurzdefinition
nach obenDer Level of Development (LOD) beschreibt, wie weit ein Bauteil in einem BIM-Modell ausgearbeitet ist, also wie detailliert seine Geometrie dargestellt und wie umfassend es mit Informationen versehen ist. Mit dem LOD vereinbaren Auftraggeber und Planer, welchen Reifegrad ein Modell zu einem bestimmten Zeitpunkt erreichen soll. Beim Bestandsmodell legt er fest, wie genau ein vorhandenes Gebäude digital abgebildet wird.
2. Das Wichtigste auf einen Blick
nach oben- Der LOD setzt sich aus dem geometrischen Detaillierungsgrad (LOG) und dem Informationsgrad (LOI) zusammen.
- Gebräuchlich sind die Stufen LOD 100 bis LOD 500 nach der Spezifikation des BIMForum.
- Europäisch wird zunehmend vom Informationsbedarf (Level of Information Need) nach DIN EN 17412-1 gesprochen.
- Für Bestandsmodelle ist zusätzlich die Messgenauigkeit wichtig, die als Level of Accuracy (LOA) angegeben werden kann.
- Ein höherer LOD ist nicht automatisch besser: Er muss zum Zweck des Modells passen.
3. Die LOD-Stufen im Überblick
nach oben| Stufe | Bedeutung | Beispiel Wand |
|---|---|---|
| LOD 100 | Konzept, symbolische oder volumetrische Darstellung | Baukörper als Volumen ohne Wandaufbau |
| LOD 200 | ungefähre Geometrie, Größe und Lage | Wand mit ungefährer Dicke und Lage |
| LOD 300 | genaue Geometrie, Lage und Abmessungen | Wand mit exakter Dicke, Höhe und Öffnungen |
| LOD 350 | zusätzlich Schnittstellen zu anderen Bauteilen | Wand mit Anschlüssen an Decken und Stützen |
| LOD 400 | ausführungsreife Details für Fertigung und Montage | Wand mit allen Schichten und Befestigungen |
| LOD 500 | im Bauwerk überprüfter, tatsächlicher Zustand | Wand wie gebaut, abgeglichen mit der Örtlichkeit |
Die Stufen sind nicht für ein ganzes Modell, sondern für einzelne Bauteile oder Bauteilgruppen festzulegen. So kann ein Modell tragende Wände in LOD 300, Möbel aber nur in LOD 100 enthalten.
4. Geometrie und Information
nach obenHinter dem Begriff LOD stehen zwei Dimensionen, die getrennt betrachtet werden sollten:
- Level of Geometry (LOG): Wie genau ist die Form eines Bauteils dargestellt? Ist ein Fenster nur eine Öffnung, ein Rahmen mit Glas oder ein detailliertes Profil?
- Level of Information (LOI): Welche Eigenschaften sind hinterlegt? Etwa Material, U-Wert, Brandschutzklasse, Hersteller oder Wartungsintervall.
Ein Modell kann geometrisch einfach, aber informativ sehr reich sein, oder umgekehrt. Für die Energieberatung genügt oft eine einfache Geometrie mit genauen Angaben zu Bauteilaufbauten. Für eine Fassadensanierung ist dagegen eine präzise Geometrie entscheidend.
5. Level of Information Need
nach obenDie europäische Norm DIN EN 17412-1 verfolgt einen anderen Ansatz als die festen LOD-Stufen. Statt pauschaler Stufen wird für jeden Anwendungsfall beschrieben, welche geometrischen Informationen, welche alphanumerischen Angaben und welche Dokumente benötigt werden. Grundlage sind Zweck, Zeitpunkt, Akteure und Objekt. Das vermeidet Missverständnisse, die bei unterschiedlichen Auslegungen von Stufen wie LOD 300 entstehen können.
6. LOD und LOA im Bestandsmodell
nach obenBei Bestandsgebäuden kommt eine weitere Frage hinzu: Wie genau entspricht das Modell dem tatsächlichen Gebäude? Ein Modell kann sehr detailliert aussehen und trotzdem mehrere Zentimeter vom realen Bauwerk abweichen. Deshalb wird für Bestandsmodelle neben dem Detaillierungsgrad häufig der Level of Accuracy (LOA) vereinbart. Er beschreibt die Toleranz zwischen gemessenem Zustand und Modell.
Grundlage für ein genaues Bestandsmodell ist ein präzises Aufmaß, idealerweise ein 3D-Laserscan. Die daraus entstehende Punktwolke dokumentiert den Zustand vollständig. Im Rahmen von Scan-to-BIM wird daraus das Modell im vereinbarten LOD aufgebaut.
In der Praxis bewährt sich ein abgestuftes Vorgehen. Zunächst wird das Gebäude vollständig gescannt, sodass alle Messdaten vorliegen. Modelliert wird dann nur in dem Umfang, der für die aktuelle Aufgabe gebraucht wird. Ergeben sich später neue Anforderungen, etwa für eine Fassadensanierung oder die technische Gebäudeausrüstung, kann das Modell auf Grundlage derselben Punktwolke gezielt verfeinert werden, ohne erneut vor Ort messen zu müssen.
7. Den richtigen LOD wählen
nach obenDer passende LOD hängt vom Zweck ab. Typische Anwendungen sind:
- Flächenermittlung und Vermarktung: Räume, Wände und Öffnungen in LOD 200 bis 300.
- Umbau- und Genehmigungsplanung: tragende Bauteile, Treppen, Öffnungen und Höhen in LOD 300.
- Energieberatung und Sanierung: Bauteilaufbauten und Fenster mit Informationen zu Materialien und Kennwerten.
- Facility Management: Räume, technische Anlagen und Wartungsinformationen mit hohem Informationsgrad.
Je höher der LOD, desto größer der Aufwand und damit die Kosten. Ein zu hoher Detaillierungsgrad macht Modelle zudem schwerfällig und schwer zu pflegen.
8. Bedeutung für Auftraggeber
nach obenFür Auftraggeber ist der LOD vor allem ein Instrument zur klaren Leistungsbeschreibung. Wer ein Bestandsmodell bestellt, sollte festlegen, wofür es genutzt wird, welche Bauteile mit welcher Genauigkeit benötigt werden und welche Informationen enthalten sein müssen.
Bräuer Architekten berät vor der Beauftragung, welcher Detaillierungsgrad für das jeweilige Vorhaben wirtschaftlich sinnvoll ist. Unsere Bestandsmodelle entstehen in ArchiCAD und werden auf Wunsch als IFC-Datei übergeben.
9. Häufige Fehler
nach oben- Es wird pauschal „LOD 300“ vereinbart, ohne festzulegen, für welche Bauteile.
- Geometrie und Informationsgehalt werden nicht getrennt beschrieben.
- Bei Bestandsmodellen fehlt eine Angabe zur geforderten Genauigkeit.
- Der LOD wird höher angesetzt als für den Zweck notwendig.
10. Verwandte Fachbegriffe
nach oben- BIM (Building Information Modeling) – Building Information Modeling, kurz BIM, ist eine Arbeitsmethode, bei der ein Bauwerk als digitales, bauteilorientiertes Modell geplant, gebaut und betrieben wird.
- Bestandsmodell – Ein Bestandsmodell ist ein digitales dreidimensionales Modell eines vorhandenen Gebäudes, das dessen tatsächlichen Zustand abbildet.
- Scan-to-BIM – Scan-to-BIM bezeichnet den Prozess, aus 3D-Laserscan-Punktwolken ein vollständiges, parametrisches BIM-Gebäudemodell zu erstellen.
- IFC-Datei – Eine IFC-Datei ist eine Datei im offenen Austauschformat Industry Foundation Classes (IFC).
- Digitaler Zwilling – Ein digitaler Zwilling ist ein digitales Abbild eines realen Gebäudes, das nicht nur dessen Geometrie, sondern auch Informationen zu Bauteilen, Anlagen, Nutzung und …
11. Häufig gestellte Fragen
nach obenWas bedeutet LOD 300?
Bauteile sind in genauer Größe, Form und Lage modelliert. Das entspricht etwa dem Stand einer Entwurfs- oder Genehmigungsplanung.
Steht LOD für Level of Detail oder Level of Development?
Beide Begriffe werden verwendet. Level of Detail bezieht sich meist nur auf die Geometrie, Level of Development umfasst Geometrie und Informationen.
Welchen LOD brauche ich für ein Bestandsmodell?
Für Umbau und Genehmigungsplanung genügt meist LOD 300 für die wesentlichen Bauteile. Entscheidend ist der Verwendungszweck, der vor dem Aufmaß festgelegt werden sollte.