Thema: Baurecht & Genehmigung · Redaktion: Bräuer Architekten
Der Flächennutzungsplan zeigt in Grundzügen, wie sich die Bodennutzung im gesamten Gemeindegebiet langfristig entwickeln soll. Er ordnet beispielsweise Wohnbauflächen, Gewerbe, Verkehr, Grün, Landwirtschaft und technische Infrastruktur räumlich ein. Als vorbereitender Bauleitplan bindet er vor allem Behörden und bildet regelmäßig die Grundlage für Bebauungspläne.
1. Kurzdefinition
nach obenDer Flächennutzungsplan, kurz FNP, ist nach § 1 BauGB der vorbereitende Bauleitplan. Nach § 5 BauGB stellt er für das gesamte Gemeindegebiet die beabsichtigte Art der Bodennutzung nach den voraussehbaren Bedürfnissen der Gemeinde in den Grundzügen dar. Er schafft für private Grundstückseigentümer grundsätzlich noch kein unmittelbares Baurecht.
2. Das Wichtigste auf einen Blick
nach oben- Der FNP umfasst grundsätzlich das gesamte Gemeindegebiet.
- Er stellt die städtebauliche Entwicklung in Grundzügen dar.
- Bebauungspläne sind grundsätzlich aus ihm zu entwickeln.
- Darstellungen sind von verbindlichen Festsetzungen eines Bebauungsplans zu unterscheiden.
- Ein als Wohnbaufläche dargestelltes Grundstück ist nicht automatisch bebaubar.
- Begründung und Umweltbericht gehören regelmäßig zum Planverfahren.
- Änderungen können parallel zu einem Bebauungsplanverfahren erfolgen.
3. Aufgabe des Flächennutzungsplans
nach obenDer FNP koordiniert langfristige Flächenansprüche. Er zeigt, wo die Gemeinde Siedlungsentwicklung, Infrastruktur, Freiraum oder Landwirtschaft vorsieht. Damit dient er Verwaltung, Politik, Behörden und Öffentlichkeit als räumliches Gesamtkonzept.
Seine Darstellungen müssen an Ziele der Raumordnung angepasst sein und öffentliche sowie private Belange abwägen. Der Plan ist gröber als ein Bebauungsplan und in der Regel nicht parzellenscharf.
4. Typische Darstellungen
nach obenNach § 5 BauGB können unter anderem dargestellt werden:
- Wohnbau-, gemischte, gewerbliche und Sonderbauflächen,
- Gemeinbedarfs- und Sportflächen,
- Hauptverkehrszüge,
- Versorgungs- und Entsorgungsanlagen,
- Grün- und Wasserflächen,
- Flächen für Hochwasserschutz,
- Landwirtschaft und Wald,
- Flächen für Natur- und Landschaftsschutzmaßnahmen,
- Anlagen und Maßnahmen für Klimaschutz und Klimaanpassung.
Daneben enthält der FNP Kennzeichnungen, nachrichtliche Übernahmen und Vermerke, etwa zu Altlasten, Überschwemmungsgebieten oder Fachplanungen. Diese Kategorien haben unterschiedliche Bedeutung.
5. Rechtswirkung
nach obenDer FNP ist kein Bebauungsplan und keine Baugenehmigung. Er wirkt vor allem verwaltungsintern und über das Entwicklungsgebot des § 8 Absatz 2 BauGB. Für Vorhaben im Außenbereich können seine Darstellungen als öffentlicher Belang erhebliche Bedeutung haben.
Private Eigentümer können aus einer Darstellung in der Regel weder einen unmittelbaren Bauanspruch noch einen Anspruch auf Aufstellung eines Bebauungsplans ableiten.
6. Aufstellungsverfahren
nach oben1. Planungsanlass und Beschluss
Die Gemeinde entscheidet über Neuaufstellung oder Änderung und formuliert Entwicklungsziele.
2. Grundlagen und Alternativen
Bevölkerung, Wohnen, Wirtschaft, Verkehr, Umwelt, Klima und Infrastruktur werden untersucht. Räumliche Alternativen werden bewertet.
3. Beteiligung und Umweltprüfung
Öffentlichkeit, Behörden und Träger öffentlicher Belange werden beteiligt. Regelmäßig wird ein Umweltbericht erstellt.
4. Abwägung und Feststellungsbeschluss
Die Gemeinde wägt alle relevanten Belange ab und beschließt den Plan.
5. Genehmigung und Wirksamkeit
Der Flächennutzungsplan bedarf grundsätzlich der Genehmigung der höheren Verwaltungsbehörde. Mit Bekanntmachung wird er wirksam; Details richten sich nach BauGB und Landesorganisation.
7. FNP und Bebauungsplan
nach obenDer Flächennutzungsplan stellt beispielsweise eine Wohnbaufläche dar. Der spätere Bebauungsplan setzt dann konkret Baugebiet, Straßen, Dichte und Baufenster fest. In einem Parallelverfahren können beide Pläne gleichzeitig geändert oder aufgestellt werden.
Abweichungen sind nur in den gesetzlich vorgesehenen Verfahren möglich. Die Begriffe „Darstellung“ im FNP und „Festsetzung“ im Bebauungsplan sollten nicht vermischt werden.
8. Praxisbeispiel
nach obenEine Gemeinde möchte am Rand eines Ortsteils ein neues Wohnquartier entwickeln. Der aktuelle FNP stellt dort Landwirtschaft dar. Zunächst prüft sie Innenentwicklung, Umweltbelange, Verkehr und Infrastruktur.
Soll die Fläche entwickelt werden, muss der FNP geändert und ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Erst der wirksame Bebauungsplan und die weitere Erschließung schaffen die konkrete Grundlage für Bauvorhaben; die FNP-Änderung allein reicht nicht.
9. Digitaler FNP und XPlanung
nach obenXPlanung ermöglicht die strukturierte digitale Bereitstellung der Planinhalte. Suchbare Sachdaten und Geometrien verbessern Auswertung und Beteiligung. Für Rechts- und Projektprüfungen müssen digitale Datensätze eindeutig auf wirksame Fassung, Bekanntmachung und Planunterlagen verweisen.
10. Häufige Fehler
nach oben- Eine Bauflächendarstellung wird als unmittelbares Baurecht verstanden.
- Der grobe Maßstab wird parzellenscharf interpretiert.
- Änderungen und Teilflächennutzungspläne werden übersehen.
- Darstellung, Kennzeichnung und nachrichtliche Übernahme werden verwechselt.
- Eine digitale Übersichtskarte ersetzt die amtliche Fassung.
- Raumordnung und Fachplanung bleiben unberücksichtigt.
11. Checkliste
nach oben- Wirksame Fassung und Änderungsstand geprüft
- Grundstück eindeutig verortet
- Maßstab und Darstellungstiefe berücksichtigt
- Legende und textliche Erläuterungen gelesen
- Kennzeichnungen und Übernahmen unterschieden
- Begründung und Umweltbericht ausgewertet
- Parallelverfahren oder laufende Änderungen geprüft
- Bebauungsplan und Satzungen zusätzlich gesucht
- Außenbereichswirkung bewertet
- Amtliche Quelle dokumentiert
12. Häufig gestellte Fragen
nach obenWas ist ein Flächennutzungsplan?
Der vorbereitende Bauleitplan für die beabsichtigte Bodennutzung im gesamten Gemeindegebiet.
Schafft der FNP Baurecht?
Grundsätzlich nein. Konkretes Baurecht entsteht meist erst durch Bebauungsplan oder die gesetzlichen Zulässigkeitsregeln.
Wer stellt ihn auf?
Die Gemeinde beziehungsweise ein zuständiger Planungsverband.
Was ist der Unterschied zum Bebauungsplan?
Der FNP stellt Grundzüge vorbereitend dar; der Bebauungsplan setzt die städtebauliche Ordnung rechtsverbindlich fest.
Gilt er für einzelne Grundstücke?
Er umfasst das gesamte Gemeindegebiet und ist regelmäßig nicht parzellenscharf.
Muss er genehmigt werden?
Grundsätzlich ja, nach § 6 BauGB durch die zuständige höhere Verwaltungsbehörde.
Kann er geändert werden?
Ja, als Gesamtfortschreibung, Änderung oder sachlicher Teilflächennutzungsplan nach den gesetzlichen Verfahren.
Können Bürger mitwirken?
Ja. Das BauGB sieht Beteiligung der Öffentlichkeit vor.
Welche Rolle spielt er im Außenbereich?
Seine Darstellungen können als öffentlicher Belang bei der Beurteilung nach § 35 BauGB relevant sein.
Ist ein Online-FNP verbindlich?
Nur wenn Darstellung und Rechtsstatus der amtlich wirksamen Fassung zuverlässig entsprechen. Im Zweifel ist die Gemeinde zu kontaktieren.
13. Fazit
nach obenDer Flächennutzungsplan ist das räumliche Entwicklungsprogramm der Gemeinde. Er koordiniert Flächennutzungen, bereitet Bebauungspläne vor und beeinflusst Außenbereichsvorhaben, schafft aber für sich genommen regelmäßig kein unmittelbares Baurecht.
14. Rechtsgrundlagen und Quellen
nach oben- §§ 1 bis 7 BauGB
- BauNVO und Planzeichenverordnung
- Wirksamer Flächennutzungsplan der jeweiligen Gemeinde
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15. Verwandte Begriffe
nach oben- Bebauungsplan – Der Bebauungsplan steuert verbindlich, wie Grundstücke in einem abgegrenzten Gebiet genutzt und bebaut werden dürfen.
- Bauleitplanung – Bauleitplanung ist die Planung der Gemeinde, mit der sie die bauliche und sonstige Nutzung der Grundstücke vorbereitet und leitet.
- Außenbereich (§ 35 BauGB) – Der Außenbereich umfasst alle Flächen, die weder im Geltungsbereich eines qualifizierten Bebauungsplans noch innerhalb eines im Zusammenhang bebauten Ortsteils liegen.
- Raumordnung
- XPlanung – XPlanung ist der deutsche Datenstandard für den verlustfreien digitalen Austausch von räumlichen Planwerken.
- Baugesetzbuch (BauGB) – Das Baugesetzbuch (BauGB) ist das zentrale Bundesgesetz des Städtebaurechts.
