Bernsteinmuseum Ribnitz-Damgarten | Umbau und Sanierung

Das Deutsche Bernsteinmuseum in Ribnitz-Damgarten ist Teil des städtischen Museumsbereichs in der historischen Klosteranlage St. Claren, die auf den Orden der Klarissen zurückgeht und heute auch Stadtbibliothek und Stadtarchiv beherbergt. Ein Ensemble dieser Art – gewachsen über Jahrhunderte, mehrfach genutzt und umgebaut, mit archäologischer Substanz unter jedem zweiten Bodenbelag – stellt an eine Sanierung ganz andere Anforderungen als ein freistehendes Einzeldenkmal. Wir haben den gesamten Ausstellungskomplex – Klosterkirche, Nonnenempore mit den Räumen zur Kloster- und Stadtgeschichte sowie das Museum selbst – als zusammenhängenden Rundgang neu gedacht und über einen konzentrierten, gemeinsamen Eingangsbereich erschlossen, statt die einzelnen Gebäudeteile weiterhin isoliert zugänglich zu halten.

Aufgabe

Die Klostergebäude Im Kloster 1, 2, 3 und 13 mussten in mehreren, zeitlich gestaffelten Bauabschnitten saniert und für die museale Nutzung erschlossen werden – darunter auch die Klosterkirche selbst, die künftig die Kloster- und Stiftsgeschichte zeigt. Zentrale Vorgabe war, die historische Substanz in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege zu erhalten und gleichzeitig eine zeitgemäße Ausstellungsphilosophie mit neuer Didaktik zu ermöglichen – ein Museum, das die Geschichte des Ortes nicht überdeckt, sondern erlebbar macht. Dazu kam die Aufgabe, einen barrierefreien, rollstuhlgerechten Zugang über Aufzug, Hebebühne und angepasste Treppenanlagen in eine Bausubstanz zu integrieren, die dafür nie vorgesehen war, sowie die komplette Erneuerung der Haustechnik – Sanitäranlagen, Lüftung, Brand- und Sicherheitstechnik, Bussystem – ohne die historischen Raumproportionen sichtbar zu stören.

Lösung: Substanz erhalten, neu Hinzugefügtes klar erkennbar machen

Unser Leitprinzip bei diesem Projekt: Bestehendes so weit wie möglich erhalten, Neues so gestalten, dass es nicht als Fälschung historischer Bausubstanz missverstanden werden kann. Wo nötig, wurde die Dachspitze zurückgebaut und erneuert; Decken- und Wandstruktur blieben weitgehend erhalten, nur für neue Tür- und Treppenöffnungen leicht angepasst. Die statische Ertüchtigung erfolgte bewusst zurückhaltend – mit Stahlrahmen und Unterzügen, die sich der historischen Substanz unterordnen, nicht umgekehrt. Unter Haus 13 entstand eine Komplettunterkellerung, unter den übrigen Gebäuden eine Teilunterkellerung, um die dringend benötigten zusätzlichen Funktionsräume unterzubringen, ohne oberirdisch weiter in die Klosteranlage einzugreifen.

Bei der Materialwahl setzten wir konsequent auf historisch passende, natürliche Baustoffe: Kalk- und Lehmputz, Lehmverstrich in den Decken, Eichenfenster und Eichendielen, Ölandstein. Historische Elemente wie Türen, Fensterpaneele und Fensterläden wurden wiederverwendet statt ersetzt, wo immer der Erhaltungszustand es zuließ. Neue Erschließungskerne und -wege – die Treppen und Übergänge zwischen den einzelnen Gebäudeteilen – setzen sich dagegen bewusst und klar erkennbar von der historischen Substanz ab: in Beton, Stahl und Glas, maximal transparent gestaltet, damit auf den ersten Blick erkennbar bleibt, was historisch und was neu ist.

Ergebnis

Im Klausurhof ergänzt ein neues, bewusst zurückhaltendes und transparentes Museumscafé den historischen Bestand, ohne mit ihm zu konkurrieren. Archäologische und bauhistorische Befunde, die während der Bauarbeiten zum Vorschein kamen, flossen direkt in das räumliche Gestaltungskonzept ein, statt nachträglich dokumentiert und verdeckt zu werden. Die Ausstellung selbst wurde mit wissenschaftlicher Unterstützung didaktisch neu strukturiert, grafisch neu gestaltet und in Vitrinen sowie Mobiliar mit eigens auf das Ausstellungsgut Bernstein abgestimmtem Design präsentiert. Entstanden ist ein Museumskomplex, der die jahrhundertealte Klostergeschichte und die moderne musale Nutzung nicht gegeneinander ausspielt, sondern beides gleichzeitig erlebbar macht.

Daten und Fakten:

Bauvorhaben Bernsteinmuseum Ribnitz-Damgarten | Umbau und Sanierung | Im Kloster 1, 2, 3 und 13 sowie die Klosterkirche
Bauherr Stadt Ribnitz-Damgarten | Am Markt 1 - 18 311 Ribnitz-Damgarten
Baukosten ca. 4,50 Mio. €
BGF ca. 3.600 m²
BRI ca. 6.350 m³
Planungsphasen 1–9 HOAI
Planung 2002–2006
Realisierung 2004-2007 (Klosterkirche bis 2010)
Kostenfeststellung ca. 4,50 Mio. €