Aufmass | Technisches Aufmaß des Jahn Sport Forums Neubrandenburg 2024

Digitale Bestandsdokumentation eines komplexen Sport- und Veranstaltungsgebäudes

Das Jahnsportforum in Neubrandenburg gehört zu den bedeutenden Sport- und Veranstaltungsstätten Mecklenburg-Vorpommerns. Das großvolumige Gebäude dient dem Leistungs-, Vereins- und Schulsport ebenso wie größeren Sportveranstaltungen und weiteren Veranstaltungsformaten. Die besondere Nutzungsmischung, große Hallenräume, Zuschauerbereiche, Nebenräume und umfangreiche technische Anlagen machen das Jahnsportforum zugleich zu einem baulich und technisch anspruchsvollen Bestandsgebäude.

Im Jahr 2024 erfolgte durch BRÄUER | ARCHITEKTEN | ROSTOCK ein umfassendes technisches Aufmaß des Gebäudebestandes. Ziel war es, die tatsächlich vorhandene Geometrie des Bauwerks präzise zu erfassen und daraus belastbare digitale Bestandsunterlagen für die weitere Planung zu entwickeln.

Gerade bei einem Gebäude dieser Größenordnung ist ein Aufmaß weit mehr als das Nachmessen vorhandener Grundrisse. Die Bestandserfassung bildet die Schnittstelle zwischen dem vorhandenen Gebäude und seiner zukünftigen Entwicklung. Sie schafft Planungssicherheit für Sanierung und Modernisierung und trägt gleichzeitig dazu bei, den langfristigen Wert der Immobilie zu sichern.

Dieser Zusammenhang gewinnt beim Jahnsportforum besondere Bedeutung: Die Stadt Neubrandenburg bereitet eine umfassende Sanierung der Sport- und Veranstaltungsstätte vor. Im Mittelpunkt stehen insbesondere eine bessere Energieeffizienz sowie die langfristige Sicherung der Funktionsfähigkeit für Sport und Veranstaltungen. Die Planung befindet sich aktuell in der Entwurfsplanung; vorgesehen ist eine abschnittsweise Umsetzung über mehrere Bauphasen.

Das Jahnsportforum als anspruchsvoller Gebäudebestand

Sportstätte, Veranstaltungsort und technische Infrastruktur

Große Sportstätten unterscheiden sich erheblich von gewöhnlichen Verwaltungs-, Wohn- oder Gewerbebauten. Ihre Architektur wird durch außergewöhnliche Raumdimensionen, große Spannweiten und sehr unterschiedliche Nutzungsbereiche bestimmt.

Im Jahnsportforum treffen unter anderem Sportflächen, Zuschauerbereiche, Erschließungszonen, Funktions- und Nebenräume sowie umfangreiche gebäudetechnische Anlagen aufeinander. Hinzu kommen Tragkonstruktionen, Installationen und technische Einrichtungen, die teilweise in großen Höhen angeordnet sind.

Diese Komplexität stellt hohe Anforderungen an eine Bestandserfassung.

Während bei einem klassischen Handaufmaß einzelne Maße aufgenommen und anschließend zeichnerisch miteinander in Beziehung gesetzt werden, ermöglicht eine moderne dreidimensionale Vermessung die nahezu vollständige geometrische Dokumentation eines Gebäudes.

Gerade für große Hallenbauten ist das ein entscheidender Vorteil.

Das technische Aufmaß von 2024

Den vorhandenen Bestand erfassen – nicht den ursprünglichen Plan

Eine der wichtigsten Aufgaben bei der Planung im Bestand besteht darin, zwischen vorhandenen Planunterlagen und dem tatsächlich gebauten Zustand zu unterscheiden.

Auch bei vergleichsweise jungen Gebäuden können sich über Jahrzehnte Unterschiede entwickeln.

Bauteile werden verändert, technische Anlagen ausgetauscht, Brandschutzanforderungen angepasst, Räume umgenutzt oder Installationen ergänzt. Darüber hinaus können bereits während der ursprünglichen Bauausführung Abweichungen gegenüber den Planunterlagen entstanden sein.

Deshalb lautet die entscheidende Frage bei jeder größeren Sanierungsplanung:

Was ist heute tatsächlich vorhanden?

Das technische Aufmaß des Jahnsportforums von 2024 schafft hierfür eine neue und belastbare Datengrundlage.

3D-Laserscanning als Grundlage der Bestandsaufnahme

Für großräumige und geometrisch komplexe Gebäude bietet das 3D-Laserscanning erhebliche Vorteile.

Der Laserscanner erfasst die Umgebung mit einer sehr hohen Anzahl dreidimensionaler Messpunkte. Aus den einzelnen Scannerstandorten entsteht nach Registrierung der Aufnahmen eine zusammenhängende Punktwolke des Gebäudes.

Diese Punktwolke bildet die reale Geometrie digital ab.

Erfasst werden beispielsweise:

  • Wände und Öffnungen,

  • Stützen und Unterzüge,

  • Hallengeometrien,

  • Dach- und Tragkonstruktionen,

  • Treppen und Erschließungsbereiche,

  • Fassaden,

  • technische Installationen und

  • geometrische Abweichungen des vorhandenen Bauwerks.

Der entscheidende Unterschied zum konventionellen Aufmaß liegt darin, dass nicht ausschließlich zuvor ausgewählte Einzelmaße aufgenommen werden. Vielmehr entsteht ein dreidimensionaler geometrischer Datensatz, auf den auch zu einem späteren Zeitpunkt zurückgegriffen werden kann.

Von der Punktwolke zum digitalen Gebäudemodell

Scan-to-BIM als Verbindung zwischen Vermessung und Planung

Eine Punktwolke ist zunächst ein hochpräziser geometrischer Datensatz. Für die praktische Planung muss daraus jedoch eine strukturierte und verständliche Gebäudedokumentation entwickelt werden.

Genau hier beginnt der eigentliche Scan-to-BIM-Prozess.

Die Messdaten werden ausgewertet und in ein digitales Gebäudemodell übertragen. Dabei werden aus Millionen einzelner Punkte wieder planerisch verständliche Bauteile:

Wände, Decken, Stützen, Dächer, Fenster, Türen, Treppen und weitere Gebäudeelemente.

Aus dem Modell lassen sich anschließend Grundrisse, Schnitte, Ansichten und weitere Planunterlagen ableiten.

Damit entsteht eine wesentlich umfassendere Planungsgrundlage als durch die reine Digitalisierung alter Bestandszeichnungen.

Der digitale Zwilling als langfristige Gebäudedokumentation

Ein sorgfältig aufgebautes digitales Bestandsmodell kann darüber hinaus als eine Form des digitalen Zwillings verstanden werden.

Es dokumentiert das Gebäude in seinem tatsächlichen Zustand zum Zeitpunkt der Aufnahme und kann bei zukünftigen Planungen fortgeschrieben werden.

Das ist gerade bei einem öffentlichen Gebäude von erheblichem Wert.

Denn das Jahnsportforum wird nicht nur einmal saniert werden. Während seiner weiteren Lebensdauer werden technische Anlagen erneuert, einzelne Bereiche umgebaut und Anforderungen verändert werden.

Eine verlässliche digitale Bestandsgrundlage kann diese Prozesse über viele Jahre begleiten.

Bautechnische Bedeutung einer präzisen Bestandsdokumentation

Planungssicherheit statt Annahmen

Bei komplexen Umbauten können bereits geringe geometrische Abweichungen erhebliche Auswirkungen auf die Planung haben.

Passt eine neue Lüftungsleitung unter einen vorhandenen Unterzug?

Welche lichte Höhe steht tatsächlich zur Verfügung?

Wie verlaufen Tragwerk und technische Installationen?

Welche Abmessungen besitzen vorhandene Öffnungen?

Wo können neue Bauteile angeschlossen werden?

Solche Fragen lassen sich auf Grundlage eines vollständigen Aufmaßes erheblich sicherer beantworten.

Dies verbessert nicht nur die technische Qualität der Planung, sondern wirkt sich unmittelbar auf die Wirtschaftlichkeit eines Projektes aus.

Weniger Planungsrisiken und Nachträge

Ungenaue Bestandsunterlagen führen im Bauprozess regelmäßig zu zusätzlichen Untersuchungen, Umplanungen oder Nachträgen.

Was während der Planungsphase lediglich als fehlendes Maß erscheint, kann auf der Baustelle erhebliche Kosten verursachen.

Ein hochwertiges Aufmaß reduziert diese Risiken.

Es verbessert:

  • Mengenermittlungen,

  • Kostenschätzungen,

  • Ausschreibungen,

  • Kollisionsprüfungen,

  • Terminplanung und

  • Koordination der Fachplanungen.

Gerade bei einer Sanierung, die bei laufender oder teilweise fortgeführter Nutzung umgesetzt werden soll, gewinnt diese Planungssicherheit zusätzlich an Bedeutung. Die Stadt Neubrandenburg geht derzeit von einer Sanierung in sieben Bauphasen über voraussichtlich drei Jahre aus und strebt an, Teile des Sport- und Veranstaltungsbetriebs währenddessen aufrechtzuerhalten.

Technisches Aufmaß als Instrument des Werterhalts

Werterhalt beginnt mit Wissen über das Gebäude

Der wirtschaftliche Wert einer Immobilie besteht nicht allein aus ihrer Bausubstanz.

Auch die Qualität der vorhandenen Gebäudedokumentation besitzt einen erheblichen Wert.

Je besser ein Eigentümer seinen Bestand kennt, desto gezielter können Instandhaltung, Sanierung und Modernisierung geplant werden.

Eine präzise Bestandsdokumentation unterstützt deshalb den langfristigen Werterhalt eines Gebäudes.

Sie ermöglicht es, vorhandene Bauteile frühzeitig zu beurteilen, Eingriffe auf tatsächlich notwendige Bereiche zu konzentrieren und funktionierende Konstruktionen möglichst lange weiterzuverwenden.

Bestandserhaltung ist auch Ressourcenschutz

Gerade vor dem Hintergrund nachhaltigen Bauens bekommt das technische Aufmaß eine zusätzliche Bedeutung.

Die ökologisch günstigste Konstruktion ist häufig diejenige, die nicht ersetzt werden muss.

Wer jedoch vorhandene Bauteile erhalten und sinnvoll in eine neue Planung integrieren möchte, muss ihre Lage, Dimension und konstruktive Einbindung kennen.

Das Aufmaß unterstützt damit unmittelbar den Grundsatz:

Erhalten und weiterverwenden, bevor ersetzt und neu gebaut wird.

Präzise Bestandsdaten können unnötigen Rückbau vermeiden, Materialmengen genauer bestimmen und Sanierungsmaßnahmen gezielter auf die tatsächlich erforderlichen Eingriffe beschränken.

Grundlage für Architektur, Tragwerk und technische Gebäudeausrüstung

Ein gemeinsamer geometrischer Bezug für alle Fachplaner

Große Sanierungen sind interdisziplinäre Aufgaben.

Architektur, Tragwerksplanung, technische Gebäudeausrüstung, Brandschutz und weitere Fachdisziplinen müssen auf denselben Bestand reagieren.

Das digitale Bestandsmodell schafft hierfür einen gemeinsamen geometrischen Bezug.

Insbesondere bei der technischen Gebäudeausrüstung ist dies von hoher Bedeutung. Lüftungskanäle, Rohrleitungen, Kabeltrassen und technische Zentralen benötigen Platz und müssen mit Tragwerk und Architektur koordiniert werden.

Die Möglichkeit, diese Systeme bereits digital gegeneinander zu prüfen, kann Kollisionen erkennen, bevor sie auf der Baustelle entstehen.

Jahnsportforum 2024 – Dokumentation zu einem wichtigen Zeitpunkt

Bestandsaufnahme vor einer neuen Phase des Gebäudes

Das technische Aufmaß von 2024 entstand zu einem Zeitpunkt, an dem die zukünftige Entwicklung des Jahnsportforums zunehmend konkret wurde.

Für die Sanierung wurden bereits 2024 Mittel für die weitere Planung vorgesehen. Die aktuellen Planungen konzentrieren sich auf Energieeffizienz, technische Infrastruktur und eine langfristige Verbesserung der Nutzbarkeit des Gebäudes.

Damit dokumentiert das Aufmaß zugleich einen bestimmten Zustand des Gebäudes vor einer größeren baulichen Veränderungsphase.

Auch hierin liegt ein bleibender Wert der Unterlagen.

Wie ein historisches Aufmaß eines Denkmals einen früheren Bauzustand bewahrt, dokumentiert das technische Aufmaß eines modernen Gebäudes einen bestimmten Zeitpunkt seiner Nutzungsgeschichte.

Die Dokumentation kann später nachvollziehbar machen, welche Gebäudestrukturen vorhanden waren und welche Veränderungen im Rahmen der Sanierung vorgenommen wurden.

Digitale Bestandsaufnahme als Teil modernen Facility Managements

Daten über die eigentliche Baumaßnahme hinaus nutzen

Der Nutzen eines digitalen Gebäudemodells muss nicht mit dem Abschluss einer Sanierung enden.

Bestandsmodelle können langfristig beispielsweise für:

  • Flächenmanagement,

  • Wartungsplanung,

  • Dokumentation technischer Anlagen,

  • spätere Umbauten,

  • Betreiberinformationen und

  • zukünftige Modernisierungen

weiterverwendet werden.

Gerade für kommunale und institutionelle Eigentümer können so einmal erhobene Bestandsdaten über Jahrzehnte einen praktischen Nutzen entfalten.

Voraussetzung ist allerdings, dass die Modelle strukturiert aufgebaut und im weiteren Betrieb gepflegt werden.

Das Jahnsportforum als Referenz für komplexes 3D-Aufmaß

Das Aufmaß des Jahnsportforums zeigt zugleich exemplarisch, welche Möglichkeiten moderne Bestandsvermessung heute bietet.

3D-Aufmaß ist längst nicht mehr ausschließlich ein Werkzeug für einzelne Wohngebäude oder überschaubare Umbauten.

Gerade bei Sportstätten, öffentlichen Gebäuden, Industrie- und Gewerbebauten, Verwaltungsgebäuden oder größeren Wohnanlagen entfaltet die Methode ihre besonderen Vorteile.

Mit zunehmender Gebäudegröße steigt auch der Wert einer einheitlichen, vollständigen geometrischen Grundlage.

Das Jahnsportforum steht deshalb beispielhaft für den Einsatz von 3D-Laserscanning und Scan-to-BIM bei komplexen Großgebäuden im Bestand.

Fazit – Erst verstehen, dann verändern

Das technische Aufmaß des Jahnsportforums Neubrandenburg von 2024 ist weit mehr als eine Vermessungsleistung.

Es dokumentiert ein komplexes öffentliches Gebäude in seinem tatsächlichen baulichen Zustand und schafft damit die Grundlage für eine neue Phase seines Lebenszyklus.

Die dreidimensionale Bestandserfassung verbindet Vermessung, Architektur und digitale Planung. Aus realer Gebäudegeometrie entsteht eine verlässliche Datenbasis für Sanierung, Fachplanung, Kostenkontrolle und zukünftiges Gebäudemanagement.

Im bautechnischen Sinn verbessert sie die Planungssicherheit.

Im wirtschaftlichen Sinn reduziert sie Risiken und vermeidbare Folgekosten.

Im werterhalterischen Sinn trägt sie dazu bei, vorhandene Bausubstanz gezielt zu erhalten und Investitionen langfristig abzusichern.

Und im nachhaltigen Sinn ermöglicht sie, Bestehendes zunächst genau zu verstehen, bevor über Ersatz oder Neubau entschieden wird.

Damit lässt sich der Wert eines professionellen Bestandsaufmaßes auf einen einfachen Grundsatz reduzieren:

Wer ein Gebäude wirtschaftlich und nachhaltig weiterentwickeln möchte, muss zunächst präzise wissen, was vorhanden ist.

Das Jahnsportforum Neubrandenburg ist dafür ein eindrucksvolles Beispiel.